Heft 
(1897) 11
Seite
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Glocken.

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AkitIllustrationen

Ewald Thiel

keltisch elog und eloell) nicht unwahrscheinlich machen. Thatsache ist, daß die Glocken im siebenten Jahr­hundert im fränkischen Reiche bekannt waren und in Deutschland unter Karl dem Großen die Sitte ihrer kirchlichen Weihe oder Taufe bestand.

Für die keltische Herkunft der Glocken könnte es sprechen, daß sich auf keltischem Boden, in Irland, wo die Kirche ja auch früher festen Fuß gefaßt hatte als in Deutschland, heute noch die meisten Glocken alter Form vorfinden. Diese waren nicht gegossen, sondern ovalsörmig aus Eisen- oder Bronzeblechplatten nach Art der sogenannten Kuhschellen znsammengenietet. Ein bezeichnendes Beispiel dieser Glockenform befindet sich im Wallraff - Richartz - Museum in Köln. Sie stammt aus der dortigen Cäcilienkirche und besteht aus drei mit kupfernen Nägeln aneinandergenieteten Platten. Sie soll aus der Zeit des Erzbischofs Kunibert, um 613, herstammen und trägt im Volksmunde den eigentümlichen Namender Saufang", weil sie angeblich von Schweinen aus der Erde ausgewühlt sein soll. Blechglocken und ge­gossene Glocken scheinen längere Zeit nebeneinander bestanden zu haben, zur Zeit Karls des Großen muß indes der Glockenguß bereits allgemein verbreitet gewesen sein. Zu großer Vollkommenheit entwickelte derselbe sich während des l Mittelalters, namentlich unter deutschen Meistern, die er- l folgreich auch für die künstlerische Ausgestaltung der Glocken ^ wirkten. Als ein Musterbild der künstlerischen Ausstattung ! mittelalterlicher deutscher Glocken muß die von einem

'MHrgelton und Glockenklang!" Es war kein Zufall, wenn -«Ä Dichterwort diese beiden Begriffe in innige Ver­bindung miteinander gebracht hat; sie bezeichnen den höchsten Grad der Wirkung, den der musikalische Ton im Volksgemüt zur Erzeugung einer Fest- und Weihe- stimmung hervorzubringen vermag. Das tritt nirgendwo so deutlich hervor wie bei den beiden großen Jahres­feiern, die, kirchlichen Ursprungs, in ihrer Bedeutung weit über ihr ursprüngliches Ziel hinausgegangen sind, um sich zu wahren Volks- und Menschheitsfesten zu gestalten, dem Weihnachts- und Osterfeste. Könnten wir uns wohl eines dieser Feste, und namentlich das große Auferstehungsfest der Natur, ohne die Begleitung der Feierklänge denken, wie sie sich in dem Halleluja der Orgelregister und dein weit in das Land hinaus­schallenden Glockenton kundgeben?

Orgel wie Glocke verdanken, wenn nicht ihren Ur­sprung, so doch ihre Entwicklung der christlichen Kirche. Andeutungen von beiden finden sich wohl im klassischen Altertum, aber sie gediehen hier nicht über die ersten Anfänge hinaus. Für die Glocken müssen wir freilich einen doppelten Entwicklungsgang annehmen, denn sie waren im fernen Osten, in Indien und namentlich in China, als stehende Einrichtung vorhanden, ehe man im Abendlande an die Umbildung der antiken Glöck­chen und Schellen zu großen Glocken dachte. Wann das letztere erfolgte, vermögen wir nicht mit Sicherheit zu bestimmen; gewiß ist nur, daß die Glocken zur Zu- sammenbernfung der Gemeinde zuerst in der christ­lichen Kirche des Abendlandes gebraucht wurden. Die Ueberlieferung weist ihre Erfindung dein heiligen Paulinus, Bischof von Nola in Campanien, zu Be­ginn des fünften Jahrhunderts zu, wohl ohne auf geschichtlichen Thatsachen zu fußen, wenn auch die altkirchlichen Ausdrücke Campana für größere und Nola für kleinere Glocke auf eine Herkunft aus Italien deuten, wogegen freilich die Bezeichnungen in den romanischen Volkssprachen (französisch etoelle, proven- halisch eloen; daher mittellateinisch eloen) deutsche oder keltische Herkunft (Glocke: althochdeutsch elooea,

Ueber Land und Meer. Jll. Okt.-Hefte. XIV. 11.

Formen.