war: „Es ist dies ja meine erste Reise in meine neuen Provinzen; aber ich muß Ihnen sagen, jedes Hurra, was mir gebracht wird, ist mir ein Stich ins Herz; denn es liegt darin eine Untreue gegen den früheren Herrscher, und mich kennen ja die Leute noch gar nicht!" — „Da konnte ich nicht anders," schreibt Herr von Diest, „als ihm erwidern: ,Aber Majestät, verzeihen Sie mir, daß es auf die Kenntnis Ihrer Person bei einer solchen Begeisterung gar nicht ankommt; denn diese Hurras stammen aus dem Bewußtsein des ganzen deutschen Volkes, daß es in Ihnen die verkörperte, gottgeseguete deutsche Geschichte vor sich hat? Der König reichte mir von Pferd zu Pferd die Hand mit den Worten: ,Gott gebe es, daß es so sei? und dabei rannen ihm die Thränen über die Wangen."
„Diein Weltleben" nennt Peter Rosegger einen Band, in dem er sein Leben schildert, wie es sich gestaltete, nachdem er sein Walddorf verlassen und als „Stadtherr" sein Fortkommen suchte (Verlag von L. Staack- mann, Leipzig). Daß es ihm da gut ergangen ist, und daß er nicht nur sein Fortkommen gefunden hat, sondern auch seinen guten Platz unter den volkstümlichen deutschen Dichtern, weiß man, und wie sich das allmählich gemacht hat, werden viele gern erfahren. Das meiste davon wird auch mit innerlicher Anteilnahme gelesen werden; alles das, worin Rosegger von seinem Innenleben und von seinem Familienleben erzählt. Aus seinem Weltlebeu hat er freilich nicht viel Interessantes mitzuteilen, weil er nicht in der Welt gelebt hat, trotzdem er im Winter in Graz zu wohnen pflegt und auf seinen Vortragsreisen ganz
Deutschland kennen gelernt hat. Daß er sich auf diese Weltsremdheit etwas zu gut thut, berührt nicht immer ganz, angenehm. Er fördert auf diese Weise eine ganze Portion kleinlicher Eitelkeit im Gewände der Bescheidenheit zu Tage und behandelt Dinge, die wirklich nicht der Rede wert sind — wie zum Beispiel, daß er bei seinen Vorlesungen nur einmal einen Frack getragen, dann aber immer und- unter allen Umständen den Gehrock für das seiner Persönlichkeit angemessenste Kleidungsstück gehalten habe , mit großer Wichtigkeit. Solchen Äußerlichkeiten steht man in der Welt wirklich mit viel größerer Gleichgültigkeit gegenüber, als Rosegger anzunehmen scheint, und wenn es einem bedeutenden Manne beliebt, hergebrachte Äußerlichkeiten nicht mitzumachen, so läßt man ihn: „in der Welt" gern sein Vergnügen. Schlimmer ist's, daß Rosegger auch manchem in der geistigen Welt fremd geblieben ist, und daß er trotzdem da autoritative Urteile abgeben zu müssen glaubt. So hielt er sich kürzlich für verpflichtet, mitzuteilen, daß ihm das Verständnis für Richard Wagners Musik aufgegangu sei, und in seinem Buche kommt er auf die Heine-Denkmalsangelegenheit zurück — in der ihm von den Denkmalsfreunden allerdings unberechtigt übel mitgespielt worden ist —, um sich auch über den Dichter Heine abfällig zu äußern. Das ist nur ein Beweis, daß Rosegger eine Kunst des Weltlebens nicht gelernt hat, — die Kunst, zu gegebener Zeit zu schweigen. Denn so gern man in Sachen des Gemüts sich von Rosegger bestimmen lassen mag — in Sachen des Geschmacks ist er nicht gerade ausschlaggebend.