Heft 
(1897) 12
Seite
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Huöa, der Keld.

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Tuba schaute ihu an es war einer von den­jenigen, die er im letzten Augenblick gesehen hatte, gerade als Sempronius im Gewühle verschwand, und eine Frage drängte sich unbezwingbar durch sein schweres Gewissen durch:

Liegt der tote Sempronius auch auf dem Holz­stoß?"

Finster runzelte aber der andre die Stirn:

Wo die beiden Verräter, die uns zur Schlacht­bank führten, der Konsul und Sempronius, hin­gekommen sind, das wissen die Götter! Uns hat jener Elende Feiglinge, Memmen und Gesindel ge­scholten,, der mag ans offenem Felde verfaulen! Was kümmert's uns?"

Und ein andrer fügte ergänzend hinzu:

Die wackeren Landsleute hier, in diesem hinter den Bergen versteckten Dorfe, haben uns, die un­glücklichen Braven, gerettet und ausgenommen, nach­dem die Feinde verschwunden waren; mit ihnen haben wir die heldenmütig Gefallenen aufgehoben, um die Verräter kümmern wir uns nicht!"

In des guten Tuba Kopfe dämmerte es all­mählich Heller und Heller auf; so lagen also die Dinge! Die Feiglinge, die gestern vor dem Feinde nach allen Seiten ausstäubten, die waren die eigent­lichen Braven! Und der Bravste von allen sollte er, Tuba, der Viktoriabläser sein, der die Posaune ins Gras geworfen haben sollte, nur um sich nicht mit Rückzugblasen zu beschimpfen, und der sich auf des Sempronius Roß geschwungen haben sollte, nur uni dem Feinde entgegenzusprengen, und der von eines Feindes Stein getroffen worden sein sollte, nicht aber von des wackeren Nömerpferdes Hufe! Und ihm wurde jetzt deswegen ein Lorbeerkranz aus die heldenhafte Stirn geheftet!

Sinnverwirrend kam ihm zuerst die Sache vor, und auch in seinem Gewissen regte es sich wie zum ehrlichen und heftig aufwallenden Widerspruch gegen die gewaltige Lüge; aber weiter als bis Zn dieser ersten Regung brachte es der gute Tuba doch nicht, denn nun drang eine kleine, aber so eindringlich mahnende Stimme, die er für die Stimme der Ver­nunft hielt, an sein Gehirn, und:

Tuba, mein Freund!" flüsterte ihm das Sümmchen zu,was ist da Zu machen? Ein Held mußt du nun gewesen sein, und als einen Helden mußt du dich notgedrungen aufspielen lassen und auch selber aufspielen, denn, merke es wohl, wenn du gestern kein Held Wurst, ivas werden heute diese alle aus dir machen? Deine Flnchtkameraden wollen ja auch Helden gewesen sein, und ihnen zuliebe mußt auch du das gewesen sein, wofür sie dich alle halten wollen! Sei nicht unvernünftig, Tuba, mein Freund! Lasse das Schicksal über dich ergehen; lasse dich mit Lorbeeren bekränzen! So schlimm ist es ja nicht, und wem schadet's am Ende? Und sage ihnen allen recht laut, daß sie alle Helden waren und Helden sind, wie du! Thust du's nicht, mein armer Tuba, so werden dich alle diese Kameraden mit Steinen in die Unsterblichkeit schicken, denn Helden müssen diese doch gewesen sein mit dir, oder auch ohne dich! Also ermanne dich, o Tuba!

Ueber Land und Meer. IN Oki.-Hefte. XIV. 12.

Stehe auf! Nimm eine heldenhafte Miene an und lege dir heldenhafte Gebärden an und danke mit lauter Stimme den Göttern, daß sie dich und deine Helden­brüder gerettet, und danke ihnen heimlich, daß alles so glimpflich abgelaufen!"

So sprach das Sümmchen zu ihm, so eindringlich, so schmeichelnd, daß die Stimme seines ehrlichen Ge­wissens gar nicht mehr durchzndringen vermochte, und am Ende war es ja auch viel angenehmer, vor dieser Dorfbevölkerung wie ein lorbeerbekränzter Held als wie ein flüchtiger, von Rosseshufe zusammen­geschmetterter Feigling dazustehen.

Eine gute Weile blieb Tuba noch sitzen, den Kopf auf beide Hände gestützt, wie einer, der sich langsam vom Tode erholt, und schlürfte zuweilen einen Schluck kühlen Wassers und hörte, wie die Leute ringsum zu einander sagten:

Der arme Mann! Die Götter mögen ihm die Kraft des Lebens wieder schenken!"

Und die Kraft des Lebens schenkten ihm die all­gütigen Götter! Denn plötzlich erhob sich Tuba, und mit heldenhafter Gebärde auf den Holzstoß deutend, rief er:

Holt mir mein Schwert herunter und meine Posaune! Vom Tode bin ich auferstanden I Und reicht mir die Hand, ihr braven Heldenbrüder, daß wir zusammen wieder kämpfen für Rom, das heilige Rom!"

Nicht nur das Schwert und die Posaune hingen sie ihm jauchzend um, sondern auch den Lorbeerkranz holten sie herunter und drückten ihn auf seine blutige i Stirn; und so trat er neben dem Priester vor das Volk, daß alles aufjubelte beim Anblick dieser jugend­lichen Heldengestalt.

Und die Posaune setzte er an seine Lippen und blies lustig die Viktoriafanfare in die Luft.

Bei den ewigen Göttern," rief er dann ans; zum Rückzuge bläst Tnbas Posaune nie und nimmer­mehr! Aber zur Viktoria wird sie wieder blasen! Das walten die allmächtigen Götter!"

Als er aber am Abend dieses denkwürdigen Tages allein in seinem Kämmerlein, in des Priesters Hause, saß, da kratzte sich der ehrliche Tuba einmal übers andre hinterm Ohr und murmelte vor sich hin:

Tuba, mein Freund! Da du gestern ein Held gewesen bist, so mußt du jetzt ein ganzer Held sein und einer bleiben!"

Mit dem Zipperlein des Furius Gallus war es inzwischen allmählich besser geworden. Seitdem die römische Nachhut aus den Thoren ausgezogen war, hatte der Volkstribnn eigentlich keinen wahren Anfall seines Wehes mehr verspürt. Er blieb aber dennoch aus Vorsorge und schon um mißliebigen Redensarten vorzubeugen dabei, sich nach wie vor auf seinem Eselskarren durch die Straßen ziehen zu lassen. Von dieser vierräderigen Tribuna herunter waltete der Wackere halbsitzend seines Redneramtes auf dem Forum, und da in einem echten Tribunen­herzen doch immerhin ein paar Tropfen Komödianten­blut mit umzulaufen pflegen, so hatte er sich, um seiner Rede noch mehr volltönende Würze zu ver­leihen, angewöhnt, seine Perioden von Zeit zu Zeit

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