Wie ein Balsam tröpfelten diese wohlthuenden Lobesworte über Tubas wundes Gewissen; da bemerkte er, daß Sempronius eine Gebärde machte, als begehre er zu sprechen, und dieweil der wackere Korbflechter nun wieder so viel Gewalt über sich gewonnen hatte, daß er sich seiner edelmütigen Rolle ganz gewachsen glaubte, so warf er mit erhabener Gebärde das lorbeerbekränzte Haupt in den Nacken und rief mit volltönender Posannenstimme:
„Einem jeglichen Verbrecher steht das Recht zu, vor Vollstreckung des Urteils gehört zu werden, deshalb sprich auch du, Sempronius, obgleich du ein Verr..."
Er wollte eigentlich sagen: Verräter! Das Wort blieb ihm aber im Halse stecken und er sagte nur:
„ . . . ein Verurteilter bist!"
Und nun sprach, mühsam auf seine Krücke gestützt, der schändliche Verräter Sem- pronins zu dein römischen Volk:
„O, ihr edeln und tapferen Bürger Roms! Glaubt nicht, daß ich das Wort ergreife, um Einsprache zu erheben gegen den Urteilsspruch, den Tuba, der Tapferste von euch allen, in seinen: hochherzigen Edelmut gegen mich gefällt hat! Nein, der Spruch ist gerecht, eben weil er von ihm kommt, von ihm, den ihr alle — und ich mit euch — seit jener Schlacht als einen wackeren, todesmutigen Helden und von jeher als einen braven, wahrheitsliebenden Mann kennet und ehret! Ja, ihr edeln Bürger! Mein Schicksal ist freilich hart; denn — seht mich Armen nur an! — aus dem Feldzug habe ich weiter nichts mitgebracht als ein ausgestochenes Auge, ein abgehacktes Ohr, ein entzwei- geschlagenes Bein und eine lahme Hand, aber auch ein hinkender Einäugiger kann ein Feigling sein! Tuba, er