Heft 
(1897) 12
Einzelbild herunterladen

296

Meöer Land und Meer.

297

Uom amerikanisch-spanischen Kriegsschauplatz.

sammen. Oestlich von ihm dehnt sich der Stille Ozean, westlich das südchinesische Meer ans. Formell gerieten die Inseln erst gegen sünfzig Jahre nach ihrer Entdeckung (1570) unter die Krone Spaniens, doch ist es den Spaniern niemals gelungen, ihre Herrschaft auf sämtliche Bewohner auszu­dehnen, wie es denn auch an Empörungen gegen ihr Joch fast nie gefehlt hat. Die Bevöl­kerung besteht hauptsächlich aus Tagalen, zu denen noch einige andre Stämme kommen, die sich sämtlich aus den Nach­kommen eingewanderter Malaien znsammensetzen. Die Ureinwohner,

Negritos (Negerchen"), scheinen verwandtschaftliche Beziehungen zu den negerartigen Stämmen Australiens anfzuweisen. Die Bergbewohner sind meist noch roh und wild. Man zählt auf den einzelnen Inseln und Jnsel- chen fünfzehn verschiedene Idiome.

Die Spanier finden sich in be­trächtlicher Minderheit; sie machen mit den sonstigen Europäern kaum 2000 Köpfe aus, die Zahl der Mischlinge (Mestizen) wird auf 25 000, die der eingewanderten Chinesen auf 65 000 geschätzt.

Die Fruchtbarkeit des Bodens ist eine außerordentliche, und im Verhältnis zu ihr steht die Mannigfaltigkeit der Erzeugnisse. Als Ausfuhrartikel kommen hauptsächlich Manilahanf, Zucker, Tabak, Kokosnüsse, Kaffee und Kohlen zur Geltung. Die Ausfuhr bezifferte sich im Jahre 1894 auf 33 Millionen Pesos (zu 5 Pesetas,

die Peseta 1 Frank in Doppelwährung), die Einfuhr auf 28Ho Millionen Pesos.

Die beiden größten Inseln der Gruppe sind Luzon und Mindanao; an der Westküste der ersteren liegt Manila, die

Hauptstadt nicht nur Luzons, sondern des ganzen Philippinen­archipels, eine ansehnliche Stadt von 155 000 Einwohnern am Ostufer der prächtigen Manila­bucht, in welche der Pasig mündet. Die spanische Altstadt wird durch den Fluß von der Fremdenstadt geschieden; beide Städte sind durch eine eiserne Hängebrücke miteinander verbunden. Manila ist vielfach durch Befestigungs­werke geschützt und hatte eine Garnison von 19000 Mann, darunter 12 000 Mann spani­scher Truppen. In der Bucht von Manila hatte die spanische Flotte ihr Standquartier. Der Hafeneingang der Bucht wird durch die Corregidorinsel stark eingeengt, von der angeblich eine Minensperre nach dem Fest­land gelegt war, die indes schlecht oder gar nicht funktio­niert hat. Manila wurde auf der Seeseite von Marinales nach Malato durch Strandbatterien ge­schützt; bei dem auf einer Landzunge in die Bucht hinein­reichenden Fort Cavite hat das für die Spanier verhängnis­volle Seegefecht stattgefnnden.s

Kommodore George Dew ey, der auf amerikanischer Seite den Oberbefehl in der Seeschlacht von Manila führte,

steht im Alter von 61 Jahren. Im Staate Vermont ge­boren, erhielt er auf der trefflichen Marineschule von Annapolis seine Ausbildung. Im Jahre 1854 trat er in den aktiven Dienst. Unter Admiral Farragut nahm er während des Bürgerkrieges an der gefährlichen Aufgabe teil, die Einfahrt in den Mississippi zu erzwingen, ein Unternehmen, das um so bedenklicher war, als es durch Landbatterien, Kriegsschiffe und in den Fluß gelegte Hemm­nisse behindert wurde. Später durchbrach er die Blockade der Föderierten weiter stromaufwärts bei Port Hudson. Im Jahre 1870 wurde Dewey zum Kapitän und 1884 zum Kommodore er­nannt. Im Januar 1896 über­nahm er den Befehl über das amerikanische Geschwader in den ostasiatischen Gewässern.

Unter den Persönlichkeiten auf den: westlichen Kriegsschau­plätze ist eine der interessantesten der Generalissimus der cuba- nischen Insurgenten, M a x i in o Gomez. Dieser ist ein ehe­maliger spanischer Offizier, der, wie so viele andre, Anstoß an dem in dem spanischen Heere herrschenden Günstlingswesen nahm und sich persönlich mehrfach aufs schwerste verletzt fühlte wegen seiner Uebergehung bei Beförderungen. Bei dem Ausbruche des letzten Aufstandes auf Cuba ging er zu den Insurgenten über und wurde im Verein mit dem im vorigen Jahre gefallenen Mulatten Maceo deren vor­

nehmster Führer. Die zweite größere Waffenthat des amerikanisch-spanischen Krieges entfiel auf den westlichen Teil des Kriegsschauplatzes, die Beschießung der Festungs­werke von San Juan auf der spanischen Insel Puertorico

durch die Amerikaner. Es scheinen sich dabei ähnliche Verhältnisse entwickelt zu haben wie in oem Gefechr bei Manila: die großen Geschütze der Amerikaner schossen die Festungswerke in kurzer Zeit zusammen, während die Ver­teidigung der Spanier nur eine schwache war.

San Inan ist die Haupt­stadt und der Sitz der Zentral­behörde der Insel Puertorico oder Portorico (guter Hafen"). Die Insel gehört zu den Großen Antillen und ist durch die 115 Kilometer breite Mona-Passage von dem westlich gelegenen Haiti getrennt. Ihr Flächengehnlt be­trägt 91 449 Quadratkilometer, ihre Bevölkerung etwas mehr als 800000 Köpfe, von denen über die Hälfte Weiße sind. Wie der Name andentet, ist die Insel reich an guten Häsen, von denen jedoch die an der Nordküste ge­legenen wegen der starken Bran­dung wenig brauchbar sind. Das Klima ist warm und der Pflanzenwnchs üppig, die Wälder liefern Hartholz, Farbholz, Balsam, Harze und Faserstoffe. Gebaut werden Zuckerrohr, Kaffee, Reis, Mais, Baumwolle, Bananen, Kokosnüsse, Muskatnüsse und so­genannte Südfrüchte. Die Stadt San Juan liegt an der

Kommodore Dewey,

Kommandant des amerikanischen Geschwaders bei den Philippinen.

Admiral Montoso,

Kommandant des spanischen Geschwaders bei den Philippinen.

Ansicht des Nasens sau Juan aus puertorico.