Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1904) Nietzsche : mit einem Titelbilde / von P. J. Möbius
Entstehung
Seite
103
Einzelbild herunterladen

2. Die Entwickelung der progressiven Paralyse.

vorgeht, die Lehre der Pythagoräer von der ewigen Wiederkehr aller Dinge, und er hat damals über sie

gespottet. Wenn ihm 1881 derselbe Gedanke wie ein Blitz aufgeht, und er sich davon wie von einer unge­heuren Wahrheit erschüttert fühlt, so müssen wir an eine Gehirnkrankheit denken. Die ganze Lehre von der ewigen Wiederkehr ist das Schwachsinnigste, was Nietzsche vorgebracht hat, sie war wirklich sein Ab­grund, seine letzte Tiefe; wenn ein solcher Einfall, der zu des Pythagoras Zeiten nicht übel war, einen Mann, der Kant gelesen hat, aus den Fugen bringt, dann ist etwas nicht richtig. Es handelt sich hier um einen Vorgang, der sich von nun an bei Nietzsche öfter findet. Er verfällt in einer rauschartigen Erregung auf einen Gedanken und erblickt in diesem, weil er hinter­her nicht recht weiss, wie er dazu gekommen ist, eine Inspiration, etwas Geheimnissvolles, gegen das man sich nicht auflehnen darf. Dem Wiederkehr-Gedanken stand er kritiklos gegenüber. Selbst ein schlichter Mensch muss doch einsehen, dass, wenn einmal die Welt ein grosses, sich drehendes Rad ist, alles, auch jeder Gedanke, so wiederkommt, wie es früher gewe­sen ist, dass also der strengste Fatalismus damit ge­geben ist. Trotzdem glaubt Nietzsche an eine sittliche Wirkung seines Gedankens:Er wird Dich verwandeln. Die Frage bei allem, was Du thun willst: ist es so, dass ich es unzählige Male thun will? ist das grösste Schwergewicht.Die zukünftige Geschichte: immer mehr wird dieser Gedanke siegen und die nicht daran Glaubenden müssen ihrer Natur nach endlich ausster­