m fürsorglichster Weise vorbereiteten Stätten werktätigster Nächstenliebe Unterkunft, Schutz und Hilfe fanden.
ln Wittenberge wurden z. B. alle Säle mit Strohsäcken belegt und jeder freie Stallraum für das wertvolle Vieh hergerichtet. Dann setzte die Massenverpflegung ein, damit die Flüchtlinge endlich zur Ruhe kamen. Finige Familien fanden auch bei Verwandten oder Befreundeten gastliche Aufnahme. Nun wurden Dampferfahrten eingerichtet, die den Flüchtlingen Gelegenheit boten, mit ihren Anwesen Fühlung zu halten, und diese Gelegenheit wurde gern benutzt, um auch den Anteilnehmenden aus den Nachbarstädten der Prignitz und Altmark einen Einblick in die entstandenen Verwüstungen und Schäden zu ermöglichen. Leider haben die in aufopfernder Rettungsarbeit tätigen Pioniere den Verlust eines tapferen Kameraden zu beklagen, dem beim Schwimmen ein Seil zugeworfen wurde, das ihm um den Hals geriet, so daß er daran erstickte. Am Lenzener Hafendeich hat man diesem Opfer der Nächstenliebe ein Denkmal gesetzt. Mein Va er benutzte seinerzeit mit mir ebenfalls eine Dampferfahrt bis zur Dömitzer Elbbrücke, die wegen des hohen Wasserstandes der Weiterfahrt des Dampfers ein Ziel setzte. Es waren trostlose und schauerliche Ein- dtücke, die sich mir als Schüler auf dem ganzen Wege der Fahrt darboten und sich meinem Gedächtnis unvergeßlich einprägten. Auf den Dächern, die wie Inseln aus den Fluten hervorragten, sah man noch Hühner und auch Katzen, die seit Tagen hungernd bei Wind und Wetter dort aushielten. Wehrend die Stadt Dömitz weniger unter den Wasserschäden zu leiden hatte, war die große Markurtsche Wassermühle an der Eide im benachbarten „Findenwirunshier“ vollständig lahmgelegt, denn alle Eideschleusen waren unbrauchbar geworden. Auch die Rückfahrt bot mancherlei Beachtenswertes. Leider war auch Wild in Menge umgekommen, und mancher Hase und Fuchs fand in den Baumkronen der Kopfweiden eine Stätte der Zuflucht. In der Dunkelheit landeten wir wieder in Wittenberge. Allmählich konnte durch vielseitige Hilfeleistung den Geschädigten beigestanden werden. Die Ereignisse in den Prignitzer Ortschaften waren durch die Presse in ganz Deutschland bekannt geworden, und eingeleitete Sammlungen ergaben reichliche Mittel. Die Kreiskasse der Westprignitz stellte, um die erste Not zu lindern, den Geschädigten Mittel zur Verfügung.
Uie Regierung bewilligte zunächst im April 30 000,— Mark als Vorschuß, dein im August ein weiterer von 100 000,— Mark folgte und ferner Vorschüsse im Betrage von 150 000,- Mark.
Zum Schluß sei noch gesagt, daß die erwähnten amtlichen Daten dieses Aufsatzes und verschiedene Einzelheiten der Chronik des Deichverbandes der Prignitz’schen Elbniederung entnommen wurden, deren Verfasser der sehr verdiente Deichhauptmann von Wangenheim-Wake zu Eldenburg ist, dem nach seinem Tode auf der Deichkrone des Lenzener Hafens ein Denkstein gewidmet wurde.
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