Heft 
(1880) 39
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Theodor Fontane in Berlin.

bewundert die Geschicklichkeit, mit der ich, auf dem Umwege des Persönlichen^ in das Kriegsabenteuer und all seine Consequenzen einzuiuüuden trachte. Darf ich also Vorschlägen, lieber dem wundervollen Spiele zuzuhören, das . .. O, wie schade; jetzt bricht es ab . . "

Er schwieg, und erst als es drinnen still blieb, fuhr er in einer ihm sonst fremden, aber in diesem Augenblicke völlig aufrichtigen Emphase fort:O, meine gnädigste Frau, welch ein Zaubergarten, in dem Sie leben. Ein Pfau, der sich sonnt, und Tauben, so zahm und so zahllos, als wäre diese Veranda der Marcusplatz oder die Insel Cypern in Person! Und dieser

plätschernde Strahl, und nun gar dieses Lied ... In der That, wenn

nicht auch der aufrichtigste Beifall unstatthaft und zudringlich sein könnte. . ."

Er unterbrach sich, denn vom Corridore her waren eben

Schritte hörbar geworden und Melanie sagte mit einer halben Wendung: Ah, Anastasia! Du kommst gerade zu guter Zeit, um den Dank und die Bewunderung unseres lieben Gastes und neuen Hausgenossen allerpersönlichst in Empfang zu nehmen. Erlauben Sie mir, daß ich Sie miteinander bekannt mache: Herr Ebeuezer Rubehn, Fräulein Anastasia

Schmidt..."Und hier meine Tochter Lydia", setzte Melanie hinzu, nach dem schönen Kinde hinzeigend, das, auf der Thürschwelle, neben dem Musikfräulein stehen geblieben war und den Fremden ernst und beinah feindselig musterte.

Rubehn bemerkte den Blick. Aber es war ein Kind, und so wandte er sich ohne Weiteres gegen Anastasia, um ihr allerhand Schmeichelhaftes über ihr Spiel und die Richtung ihres Geschmackes zu sagen.

Diese verbeugte sich, während Melanie, der kein Wort entgangen warv auf's lebhafteste fortfuhr:Ei, da dürfen wir Sie, wenn ich recht verstanden habe, wohl gar zu den Unseren zählen? Anastasia, das träfe sich gut! Sie müssen nämlich wissen, Herr Rubehn, daß wir hier in zwei Lagern stehen und daß sich das Van der Straaten'sche Haus, das nun auch das Ihrige sein wird,, in bilderschwärmende Montecchi und musikschwärmende Capuletti theilt. Jcch tont ä kalt Capulet und Julia. Doch mit untragischem Ausgang. Und ich füge zum Uebersluß hinzu, daß wir, Anastasia und ich, jener kleinen Gemeinde zugehören, deren Namen und Mittelpunkt ich Ihnen nicht zu nennen brauche. Nur Eines will ich auf der Stelle wissen. Und ich betrachte das als mein weibliches Neugiersrecht. Welcher seiner Arbeiten erkennen Sie den höchsten Preis zu? Worin erscheint er Ihnen am bedeutendsten oder doch am eigenartigsten?"

In den Meistersingern".

Zugestanden. Und nun sind wir einig, und bei nächster Gelegenheit können wir Van der Straaten und Gabler, und vor Allem den langen und langweiligen Legationsrath in die Lust sprengen. Den langen Duquede! O, der steigt wie ein Raketenstock. Nicht wahr, Anastasia?"

Rubehn hatte seinen Hut genommen. Aber Melanie, die durch die ganze Begegnung ungewöhnlich erfreut und angeregt war, fuhr in wachsendem Eifer fort:Alles das sind erst Namen. Eine Woche noch oder zwei und