Heft 
(1880) 39
Seite
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L'Adultera.

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Sie werden unsere kleine Welt kennen gelernt haben. Ich wünsche, daß Sie die Gelegenheit dazu nicht hinausschieben. Unsere Veranda hat für heute die Repräsentation des Hauses übernehmen müssen. Erinnern Sie sich, daß wir auch einen Flügel haben, und versuchen Sie bald und oft, ob er Ihnen paßt, Vi rsvoir".

Er küßte der schönen Frau die Hand und unter gemessener Verbeugung gegen Riekchen und Anastasia verließ er die Damen. Ueber Lydia sah er fort.

Aber diese nicht über ihn.

Du siehst ihm nach", sagte Melanie.Hat er Dir gefallen?"

Nein".

Alle lachten. Aber Lydia ging in das Haus zurück und in ihrem großen Auge stand eine Thräne.

VIII. Auf der Stralauer Wiese.

Nach dem ersten Besuche Rubehns waren Wochen vergangen, und der günstige Eindruck, den er auf die Damen gemacht hatte, war im Steigen ge­blieben, wie das Wetterglas. Jeden zweiten, dritten Tag erschien er in Ge­sellschaft Van der Straatens, der seinerseits an der allgemeinen Vorliebe für den neuen Hausgenossen theilnahm, und nie vergaß, ihm einen Platz anzu­bieten, wenn er selber in seinem hochrädrigen Cabriolet hinausfuhr. Ein wolkenloser Himmel stand in jenen Wochen über der Villa, drin es mehr Lachen und Plaudern, mehr Medisiren und Musiciren gab, als seit lange. Mit dem Musiciren vermochte sich Van der Straaten freilich auch jetzt nicht auszusöhnen, und es fehlte nicht an Wünschen wie dermit von der Schiffs­mannschaft des fliegenden Holländers zu sein", aber im Grunde genommen war er mit demanspruchsvollen Lärm" um vieles zufriedener, als er ein­räumen wollte, weil der von nun an in eine neue, gesteigerte Phase tretende Wagner-Eultus ihn: einen unerschöpflichen Stoff für seine Lieblingssormen der Unterhaltung bot. Siegfried und Brunhilde, Tristan und Isolde, welche dankbaren Tummelfelder! Und es konnte, wenn er in Veranlassung dieser Themata, seinem Renner die Zügel schießen ließ, mitunter zweifelhaft er­scheinen, ob die Musicirenden am Flügel oder er und fein Uebermuth die Glücklicheren waren.

Und so war Hochsommer gekommen und fast schon vorüber, als an einem wundervollen August-Nachmittage Van der Straaten den Vorschlag einer Land- und Wasser-Partie machte.Ruüehn ist jetzt ein rundes Viertel­jahr in unserer Stadt und hat nichts gesehen, als was zwischen unserem Comtoir und dieser unserer Villa liegt. Er muß aber endlich unsere land­schaftlichen Schätze, will sagen unsere Wasserflächen und Stromufer kennen lernen, erhabene Wunder der Natur, neben denen die ganze heraufgepuffte Main- und Rhein-Herrlichkeit verschwindet. Also Treptow und Stralow, und zwar rasch, denn in acht Tagen haben wir den Stralauer Fischzug, der an

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