Heft 
(1880) 39
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Theodor Fontane in Berlin.

überhaupt nicht mit. Und wenn sie sich darüber wundern, so machen sie sich ridicül. Ich werde mich davor hüten und verzichte darauf den Mohren der Weltgeschichte, das seid Ihr, weiß waschen zu wollen. Apropos, kennst Du das Bild die Mohrenwäsche?"

Ach. Ezel, Du weißt ja, ich kenne keine Bilder. Und am wenigsten alte".

Süße Simplicitas aus dem Hause de Caparoux", jubelte Van der Straaten, der nie glücklicher war, wie wenn sich Melanie eine Blöße gab. Oder auch klugerweise nur so that.Altes Bild! Es ist nicht älter als ich".

Nun, dann ist es gerade alt genug".

Bravissimo. Sieh, so Hab ich Dich gern. Uebermüthig und boshaft. Und nun sage, was beginnen wir, wohin gondeln wir?"

Ich bitte Dich, Ezel, nur keine Berolinismen. Du hast mir doch

gestern erst ..."

Und ich halt' es auch. Aber wenn mir wohl um's Herz wird, da bricht es wieder durch. Und jetzt komm, wir wollen uns bei Haas einen Teppich ansehn . . .Gerade alt genug" . . . Vorzüglich, vorzüglich. Und nun sage Papchen, wie heißt die schönste Frau im Land?"

Melanie".

Und die liebste, die klügste, die beste Frau?"

Melanie, Melanie".

Gut, gut . . . Und nun gehab' Dich wohl, Du Menschenkenner!"

IV. Der engere Zirkel.

Die drei gestrengen Herren waren ganz ausnahmsweise streng gewesen, aber nicht zu Verdruß beider Van der Straatens, die vielmehr nun erst wußten, daß der Winter all seine Pfeile verschossen und unweigerlich und ohne weitere Widerstandsmöglichkeit seinen Rückzug angetreten habe. Nun erst konnte man freien Herzens hinaus, hinaus ohne Sorge vor frostigen Vormittagen, oder gar vor Eingeschneitwerden über Nacht. Alles freute sich auf den Umzug, auch die Kinder, am meisten aber Van der Straaten, der, um ihn selber sprechen zu lassenunter den mannigfachen Geburtsscenen einzig und allein der des Frühlings beizuwohnen liebte". Vorher aber sollte noch ein kleines Abschieds-Diner stattfinden und zwar unter ausschließlicher Heranziehung des dem Hause zunächst stehenden Kreises.

Es war das, und zwar von mehr verwandtschaftlicher als befreundeter Seite her, in erster Reihe der in der Alsenstraße wohnende Major v. Gryczinski, ein noch junger Offizier mit abstehendem, englisch gekräuseltem Backenbart und klugen blauen Augen, der vor etwa drei Jahren die reizende Jakobine de Caparoux heimgeführt hatte, eine jüngere Schwester Melanies und nicht voll so schön wie diese, aber rothblond, was, in den Augen Einiger, das Gleichgewicht zwischen beiden wiederherstellte. Gryczinski war Generalstäbler