Heft 
(1880) 39
Seite
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Theodor Fontane in Berlin.

der Name. Aber er hat ihn nun 'mal. Jeder hat nun mal das Seine, der Eine Dies, der Andre Das".

Allerdings", lachte Gabler.

Ach Arnold, Du überschätzt das. Glaube mir, der Selige hatte Recht. Gold ist nur Chimäre. Und Elimar würd' es mir bestätigen, wenn es nicht ein Satz aus einer überwundenen Oper wäre. Ich muß sagen, leider überwunden. Denn ich liebe Nonnen, die tanzen. Aber da kommt die Flasche. Laß nur Staub und Spinnweb. Sie muß in ihrer ganzen unab- geputzten Heiligkeit verbleiben. Lacrymae Christi. Wie das klingt!"

Und die frühere Heiterkeit kehrte wieder oder schien wenigstens wieder­zukehren, und als Van der Straaten sortfuhr, in wahren Ungeheuerlichkeiten über Christusthränen, Erlöserblut und Versöhnungswein zu sprechen, durste Melanie schließlich die Bemerkung wagen:Du vergißt, Ezel, daß der Polizeirath katholisch ist".

Ich bitte recht sehr", sagte Reiff, als ob er auf etwas Unerlaubtem ertappt worden wäre.

Van der Straaten aber verschwor sich hoch und theuer, daß ein vierzig Jahre lang treu geleisteter Sicherheitsdienst, über alles konfessionelle Plus oder Minus hinaus entscheidend sein, und vor dem Richterstuhle der Ewigkeit angerechnet werden müsse. Und als bald darauf die Gläser abermals ge­füllt und geleert worden waren, rückte Melanie den Stuhl und man erhob sich, um im Nebenzimmer den Kaffee zu nehmen.

VI. Auf dem Heimwege.

Die Kaffeestunde verlief ohne Zwischenfall, und es war bereits gegen zehn, als der Diener meldete, daß der Wagen vorgefahren sei. Diese Meldung galt dem Gryczinski'schen Paare, das, an den Diner-Tagen, seine Heimfahrt in der ihm bei dieser Gelegenheit ein- für allemal zur Verfügung gestellten commercienräthlichen Equipage zu machen Pflegte. Mäntel und Hüte wurden gebracht, und die schöne Jacobine, Hals und Kops in ein weißes Filettuch gehüllt, stand alsbald in der Mitte des Kreises und wartete lachend und geduldig auf die beiden Maler, denen Grhczinski noch im letzten Augenblicke verbindlicherweise die Mitfahrt angeboten hatte. Das Parlamen- tiren darüber wollte kein Ende nehmen, und erst als man unten am Wagen­schlage stand, entschied sich's und Gabler placirte sich ohne Weiteres auf den Rücksitz, während Elimar mit einem kräftigen Turnerschwunge seinen Platz auf dem Bocke nahm, angeblich aus Rücksicht gegen die Wagen-Insassen, in Wahrheit aus eigener Bequemlichkeit und Neugier. Er sehnte sich nämlich nach einem Gespräche mit dem Kutscher.

Dieser, auch noch ein Erbstück aus des alten Van der Straaten Zeiten her, führte den unkutscherlichen Namen Emil, der jedoch seit lange seinen Verhältnissen angepaßt und in ein plattdeutschesEhm" abgekürzt worden war. Mit um so größerem Recht, als er wirklich in Fritz Reuter'schen