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Theodor Fontane in Berlin.
und für sich zwar ein liebliches Fest der Maien, im Uebrigen aber etwas derb und nicht allzu günstig für Wiesewachs und frischen Rasen ist. Und so proponir' ich denn eine Fahrt auf morgen Nachmittag. Angenommen?"
Ein wahrer Jubel begleitete den Schluß der Ansprache, Melanie sprang auf, um ihm einen Kuß zu geben, und Fräulein Riekchen erzählte, daß es nun gerade dreiunddreißig Jahre sei, seit sie zum letzten Mal in Treptow gewesen, an einem großen Dobremontschen Feuerwerkstage, — derselbe Dobremont, der nachher mit seinem ganzen Laboratorium in die Lust geflogen. „Und in die Lust geflogen, warum? Weil die Leute, die mit dem Feuer spielen, immer zu sicher sind und immer die Gefahr vergessen. Ja, Melanie, Du lachst. Aber, es ist so, immer die Gefahr vergessen".
Es wurde nun gleich zu den nöthigen Verabredungen geschritten, und man kam überein, am anderen Tage zu Mittag in die Stadt zu fahren, daselbst ein kleines Gabelfrühstück einzunehmen und gleich danach die Partie beginnen zu lassen: die drei Damen im Wagen, Van der Straaten und Rubehn entweder zu Fuß oder zu Schiss. Alles regelte sich rasch und nur die Frage, wer noch auszufordern sei, schien aus kleine Schwierigkeiten stoßen zu sollen.
„Gryczinskis?" fragte Ban der Straaten Und war zufrieden, als alles schwieg. Denn so sehr er an der rothblonden Schwägerin hing, in der er, um ihres anschmiegenden Wesens willen, ein kleines Frauenideal verehrte, so wenig lag ihm an dem Major, dessen superiore Haltung ihn bedrückte.
„Nun denn, Duquede?" fuhr Van der Straaten fort und Hielt das Crayon an die Lippe, mit dem er eventuell den Namen des Legationsrathes notiren wollte.
„Nein" sagte Melanie. „Duquede nicht. Und so verhaßt mir der
ewige Vergleich vom „Mehlthau" ist, so giebt es doch für Duquede keinen andern. Er würde von Stralow aus beweisen, daß Treptow und von Treptow aus beweisen, daß Stralow überschätzt werde, und zu Feststellung dieses Satzes brauchen wir weder einen Legationsrath a. D., noch einen Altmärkischen von Adel".
„Gut, ich bin es zufrieden", wiederholte Van der Straaten. „Aber Reifs?"
„Ja, Reifs" hieß es erfreut. Alle drei Damen klatschten in die Hände und Melanie setzte hinzu: „Er ist artig und manierlich und kein Spielverderber und trägt einem die Sachen. Und dann, weil ihn alle kennen, ist es immer, als führe man unter Escorte, und alles grüßt so verbindlich, und mitunter ist es mir schon gewesen, als ob die Brandenburger Thorwache „heraus" rufen müsse".
„Ach, das ist ja nicht um des alten Reifs willen" sagte Anastasia, die nicht gern eine Gelegenheit vorüber gehen ließ, sich durch eine kleine Schmeichelei zu insinuiren.. „Das ist um Deinetwillen. Sie haben Dich für eine Prinzessin gehalten".
„Ich bitte nicht abzuschweisen" unterbrach Van der Straaten, „am