Heft 
(1897) 12
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Darjeeling, eine offindische Hesundheitsstation.

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nach Westen die Bazare seiner kunstfertigen Heimatstadt erreichen. Verbindlich drückt er uns seine Visitenkarte in die Hand und flüstert, daß er uns nach dem tikkn*) seine Aufwartung machen wolle mit köstlicher Auswahl.Dies ist nur geringwertig," fügt er bieder hinzu, indem er ein Kästchen mit verlockend gleißendem Geschmeide für kurze Zeit öffnet. Wie politisch er auf die Stimmung nach Tische spekuliert!

Weit weniger nobel treten seine Kollegen »minorun: Zentrum " aus; sie haben, hinter ihren Veldhausen hockend, ein gar schwieriges Wechslergeschäft, denn was für kuriose, schäbige Münzen und Wertpapierchen aller indischen Länder. Provinzen und Städte werden ihnen zum Umsatz angeboten I Zugleich handeln sie mit Schmuckwaren, die nachdrücklich ins Auge fallen; in dicken Ketten zusammengereiht, liegen ganze Berge von Rupien**) neben ihnen. Es gehört zu

den Absonderlichkeiten der Sikkim-Weibsleute, ihren Ver­dienst und ihr Vermögen in solchen rasselnden Geldketten um Hals, Schultern und Hüften zu schlingen, unbekümmert darum, ob sie dadurch den Neid ihrer lieben Nachbarinnen erregen.

Bei jenen: nepalesischen Betelverkäufer mit den langen, wirren Haaren steht eine freundlich grinsende Bhutiahexe mit dein Tragkorb, der eine silberne Relignienschachtel von außergewöhnlichem Umfang an der Halskette hängt. Un­weit davon teilt der Postbote seine Gaben aus wie sehnsüchtig wird hier oben die Tasche dieses blaurückigen, rotbeturbanten Jünglings erwartet, welche die vier Wochen alten Neuigkeiten aus olcl merr^ England bringt!

Auch einige deutsche Geschäftsleute haben sich hier etabliert und sind bald zu Vermögen gekommen. Die Engländer pflegen den deutschen Kaufleuten vorzuwersen,

I Gabelfrühstück zur Mittagszeit.

**) Indische Münze in Größe und schwankendem Wert eines öster­reichischen Silberguldens.

daß sie dem Wunsch der Hindus' nach billigen Waren zu bereitwillig Rechnung trügen. Allerdings findet inan auf den indischen Bazaren unendlich viel Schundwaren mit muäe in Oermuu^" bedruckt, aber schließlich gilt doch beim Geschäft der Grundsatz: Wenn ich's nicht mache, macht's ein andrer!

Die Harmlosei: Bhutia-Marktleute sind seelenvergnügt über ihren geringen Verdienst und jedes scherzhafte Vor­kommnis. Wer es über sich gewinnen kann, einen leutseligen Ton mit ihnen anzuschlagen, wird prächtig mit ihnen auskommen und ein Volkstum von kindlicher Liebenswürdig­keit finden. Ja, selbst der Kern der als so falsch und mißtrauisch verschrieenen Hindus scheint mir nicht gar so unsympathisch zu sein; man muß doch in Anrechnung bringen, wie sie von alters her aus einen: Druck in den andern gezwängt wurden!

MAW

Der Milchmann dort ist sehenswert. In zwei bronze­beschlagenen Bambusrühren, die riesigen Flöten ähnlich sehen, hält er fette und gar nicht billige Milch seiner Pak- kühe feil, während die weiblichen Mitglieder seiner Familie mit derartigen Milchröhren und Fellbeuteln voll ungereinigter Pakbutter in den Bungalows von Darjeeling hausieren. Diese Bhutiafrauen gleichen auffällig den Rothaut-Indiane­rinnen , und wie diese sich durch Tätowieren und Bemalen mit Ockererde zu verzieren pflegen, so schminken sich die Bhutiaweiber Stirn und Backen mit Schweineblut dunkel­rot, um sich gegen die Rauheit der Luft bei ihren Wande­rungen im Gebirge zu schützen.

Einen Schritt weiter hockt eine Marktfrau hinter Häuf­chen von Hirse, Bohnen - und Linsen, die ein wahres Nonplusultra an Schmucksucht zu sein scheint. Wir wollen einmal ihre Schütze nachzählen! In den Ohren dessertteller- große, dünne Goldscheiben; auf dem linken Nasenflügel eine Rosette, in deren Mitte eine Perle schimmert; zugleich ist ein dünner Goldreif von mehr als 10 Centimeter Durchmesser