Heft 
(1897) 12
Seite
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Weber Land und Meer.

durch eben diesen Flügel gezogen. In der Spitze ihres Gesichtserkers schaukelt in einem kleinen Ring ein drolliges Anhängsel mit zierlichen Troddeln ans gerolltem Golddraht und Perlen. Um den Hals hängen Rupienketten und Perlenschnüre in Massen und darüber nicht nur ein mas­siver Silberreifen von dem zwiefachen Durchmesser des Kopfes, sondern noch ein recht schwerfälliges Schmuckstück aus gerippten, dick vergoldeten Silberscheiben, abwechselnd mit Korallenplatten zu einen: gewichtigen Kragen zusammen­gereiht.

Der so trutziglich hinter ihr stehende Limbn aus dem östlichen Nepal, dessen wirres, nicht zun: Zopf geflochtenes langes Haar im Winde flattert, könnte der Gatte dieser

erotische Lieder zum besten und verstärkt den Eindruck durch Griffe auf der einsaitigen tibetanischen Guitarre, wenn man einen simplen Stock an einer Dreiviertelthonkugel, mit Haut bespannt, so nennen kann; mittels eines kreuzförmigen Griffes vermag der findige Virtuose übrigens a»ch sein Instrument als handfesten Wanderstab zu benutzen. Die Jacke, die ihm irgend ein Europäer geschenkt, will freilich zu feinen nackten Beinen nicht recht passen.

Auch hier fehlt es nicht an Konkurrenz. In einem andern Winkel wird ebenfalls musiziert, und ganz abscheu­liche Töne schallen von dorther an unser Ohr. Ein Bettel- mönch bringt sie auf einer Trompete hervor, die ans dem Schenkelknochen eines angeblich einst sehr berühmten Lamas

Milchhändler.

wandernden Schatzkammer sein; freilich würde dann wohl sein Kukri, das im Gürtel steckende, stark gekrümmte Messer, keine Holz- oder Lederscheide haben, sondern wie dies bei Wohlhabenden üblich aus getriebenem Silber bestehen. Als wichtigere Hauptsache wird jedoch die Güte der kalt­geschmiedeten Stahlklinge betrachtet, die zur Probe eine Rupiemünze fangend shochheben must, auf die sie leise ge­drückt wurde.

Was für ein Geklimper läßt sich aus jener Gruppe vernehmen? Gehen wir dichter in das Gedränge, das den wandernden Rhapsoden umgiebt. Neben ihm kauert seine höchstens sechzehnjährige Frau, die ihr strammes Baby seitlich zwischen ihren auseinandergebogenen Knieen gesetzt hat, so daß die beiden wie eine zusammengewachfene wunder­bare Mistgeburt aussehen. Näselnd giebt der Künstler recht

gefertigt ist! Er verstärkt ab und zu die Wirkung seines Tutens durch eine jener Trommeln, durch deren fatales, hartes, monotones Klappern die Lamas sich den opfer­gierigen Dämonen anzumelden pflegen. Reichliche Gaben an Viktualien fliesten infolge dieser zarten Anspielung auf die Beziehungen seiner höheren Amtsgenossen zur Geisterwelt in die weiten Rockfalten des andern, fchmutzstarrenden, halbblödsinnigen Trottels, der, unablässig die Gebetmühle drehend, seinem musikalischen Kollegen nachwatschelt. Seine Man:, die Gebetmühle, besteht nicht, wie sonst üblich, aus einer Bronze- oder gar Silberknpsel, sondern die Gebet­streifen sind in einen eylindrifchen, höchst unsauberen Leder­beutel gepackt und werden mit diesen: an dem Holzstiel herumgeqnirlt. Der talentvolle Knochenhornbläser hat sich zun: Ueberflust wie ein Hanswurst heransstaffiert, eine