Heft 
(1897) 12
Einzelbild herunterladen

288

289

Ueöer Land und Meer.

Huöa, der Set'd.

dann der allgemeine Rückzug in die Berge angetreten Drange kann ich nicht widerstehen, jenen Elenden werden würde. dort nachzujagen und ein paar von ihnen in die

Das längst Befürchtete traf ein, als der Feind ! Unterwelt zu befördern! Aber was würde das für beutebeladen und fiegesberaufcht von Rom zurück- ! Folgen haben für euch? Euer Städtchen würde der kehrte; aber da konnte man wieder mit dem alten Jupiter­priester ersehen, wie die all­mächtigen Götter ganz be­sonders dieses Bergesnest liebten und beschützten! Denn der Feind schlug plötzlich einen viel weiter abgelegenen Weg ein, um in sein Land zurück­zukehren, und nur ganz ans der Ferne konnten die hinter ihren Gebüschen und Felsen versteckten Wachen das Blitzen der Sonne auf den Helmen und Schildern jener Näuber- scharen wahrnehmen.

Tuba befand sich nichts­destoweniger vom frühen Morgen dieses Tages an in einer heftigen Aufregung. In seinem Herzen tobte sein Ge­wissenskampf wilder denn je: willst du damals ein Held gewesen sein, o Tuba, mein Freund, so mußt du es eben jetzt beweisen!

Er hatte sein Schwert umgegürtet, den Helm auf­gesetzt, die Posaune um­gehängt, und man sah ihn wie im Fieber von Straße zu Straße laufen, Befehle und Gegenbefehle erteilen,

Wachen und Boten hin und her schicken. Als gegen Mittag die Nachricht einlief, daß der Feind immer weiter wegziehe, da schien es, als habe Tuba einen Entschluß gefaßt; er beteuerte auf offenem Platze, daß er bei einem Auszug der Bevölkerung in die Berge der letzte sein würde; den Rückzug würde er decken, und sollte er sein Leben dabei lassen!

Mit gezücktem Schwert stieg er bis zum Bergesabhang hinauf, von wo die Wachen den Feind beobachteten.

O, du wackerer Held!" murmelte der alte Jupiter­priester vor sich hin;es duldet ihn nicht mehr unter uns! Er will auf den Feind los wie damals!"

So war es ja auch! Aber auf den Feind ging Tuba doch nicht los, gerade wie damals.

Hört mich, ihr Männer!" rief er den auf dem

an eine Bank im hintersten Winkel des Hauses an und legt mir einen Knebel in den Mund, daß ich nicht nach dem Feinde schreie, und laßt mich so fitzen, bis der Feind verschwunden sein wird! Dann

LIEH

WW-

krokT-OklOO

-ViSLk p

co -E 4

HM

kV

vox

^ v

vrv

6 nQV

ö--

^ n L

2k V/zr vs>.

-

(ZU dem Artikel!Vom amerikanisch-spanischen Kriegsschauplatz", Seite 294.)

Marktplatz Versammelten zu;ich fühle es! Dem

Feind dann sicherlich entdecken und würde euch plündern und niedermetzeln! Und an dem Unglück wäre ich allein schuld! Also, wollt ihr euch retten, meine lieben Freunde, so setzt mich in die Unmöglichkeit, mein thörichtes Vorhaben auszuführen! Bindet mich

ist die Gefahr vorüber, dann könnt ihr mich los­binden, denn dann kann ich euch nichts mehr schaden!"

So wie er es gewollt, so geschah es. In seinem Kellerwinkel blieb der arme Tuba zähneknirschend sitzen, wie ein gefangener Löwe, bis der Abend an­

brach und die letzten Nachzügler des feindlichen Heeres nur uoch auf den allerletzten Höhenzügen sichtbar waren; dann aber auch: wie ein Wahnsinn kam es über den Wackeren! Gefolgt von einigen

seiner Heldengenossen stürmte er den Bergesabhang hinan, ins Thal hinunter und wieder hinauf auf der andern Seite und immer weiter und hielt endlich Umschau nach den: Feind! Dort, weit, weit tu nebliger Ferne blinkten noch Speere nnd Helme in der untergehenden Sonne! Er schaute sich um; es war ihm, als kenne er diese Stelle, und es war auch richtig der Platz, wo er während der Schlacht neben Sempronius gestanden war! Er erkannte jeden Baum, jeden Strauch! Da loderte fein Mut in Hellen Flammen auf, und die Po­saune ansetzend, rief er mit mächtiger Stimme hinaus in das Abendrot:

Nicht Rückzug! Angriff und Viktoria!" Und blies mutig die Viktoriafanfare hinaus, setzte daun plötzlich wieder ab und rief:

,Flieht, flieht!' so rief ich damals, und so rufe ich heute wieder jenen dort zu! ,Flieht, flieht!' und sie fliehen."

Es war eigentlich, als antworte er dabei jener ganz kleinen Stimme, die immer wieder an seinem Gewissen herumflüsterte, und als wollte er dieses Sümmchen über­tönen und überschreien.

Mit einem Male drehte sich Tuba um, es schien ihm, als habe neben ihm jemand den Namen Sempronius aus­gesprochen; es war aber nichts. Der Name hatte nur so in seinem Kopfe geklungen, ge­rade als hätte sein Gewissen an eine verborgene Glocke geschlagen. Sempronius! Ja, der wußte ja, wie es damals zugegangen war! Aber Sem­pronius die ewigen Götter seien gelobt! Sempronius war ja verschollen, verschwunden, tot!

Und so konnte sich Tuba ruhig weiter hinein­leben in sein Heldenbewußtsein! Und am andern Tage machte er sich ruhmbeladen mit all seinen Kameraden auf den Weg nach Rom, er ganz vorn

tj

1