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"Kontinuität und Wandel der deutschen Führungsschicht : Ergebnisse der Potsdamer Elitestudie 1995" ; Zusammenstellung der Vorträge des Symposions vom 11. Oktober 1996 an der Universität Potsdam / Primärforscher: Wilhelm Bürklin
Entstehung
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EINFÜHRUNG Wilhelm Bürklin

DiePotsdamer Elitestudie" von 1995 ist die erste ihrer Art nach der deutschen Vereinigung im Jahr 1990. Sie knüpft an die bundesdeutsche Tradition der empirischen Eliteforschung an, die mit der Untersuchung der nationalen Führungsschicht von 1968 ihren Anfang nahm und in den Studien von 1972 und 1981.ihre Fortsetzungen fand. In derMannheimer Elitestudie" von 1981 war als eine der Grundlagen für das Funktionieren der bundesdeütschen Demokratie eine Elitestruktur identifiziert worden, in der die verschiedenen gesellschaftlichen und parteipolitischen Konfliktlinien repräsentiert, gleichzeitig aber in einem kooperativen Netzwerk mit gemeinsamen demokratischen Werten integriert waren(vgl. Hoffmann-Lange 1987, 1992). Vor dem Hintergrund der deutschen Vereinigung richtet sich das analytische Interesse derPotsdamer Elitestudie" von 1995 mar auf..die.. Einbindung der Eliten der neuen Länder in das Gesamtsystem und.deren Unterscheidbarkeit von den

westdeutschen Führungsgruppen. Schwerpunkte der sektorübergreifend und unter gesamtdeutscher ektive an nm Potsdamer_ Elitestudie" sind Rekrutierung... Zirkulation,.... politische

ngen, Wertorientierungen und. Problemwahrnehmung der Eliten_in_den neuen und_alten Bundesländern sowie Kontaktmuster zwischen. verschiedenen. Elite-Sektoren. Erhoben wurden die Daten über weitgend standardisierte, mündliche Interviews in einer Feldzeit zwischen April und Juli

1995. Die Feldarbeit lag bei INFRATEST BURKE, München.

Angestrebt war eine Vollerhebung, deren Grundgesamtheit zuvor mit_Hilfe des Positionsansatzes_ identifiziert wurde. In den Sozialwissenschaften wird der Begriff Elite in der Reg jer verwendet, um einen Personenkreis zu beschreiben, der regelmäßig Einfluß auf gesamtgesellschaftlich wichtige Entscheidungen nehmen kann._In modernen Gesellschaften ist Macht institutionalisiert, das heißt, an Ämter gebunden. Daher_ erfolgte eine. Auswahl der Inhaber jeweils Höchster Führungspositionen Zentrater Imstitutionen und_ Organisationen aus. den_Hauptsektoren Politik, Verwaltung, Wirtschaft, (einschließlich Finanzwirtschaft), Wirtschaftsverbände(einschließlich Landwirtschaftsverbände), Gewerkschaften, Massenmedien, Wissenschaft, Militär und.Kultur. Im. SektorSonstige wurden unter anderen Führungspositionen in der ‚Justiz, den Kirchen, dem Bereich der Neuen Sozialen Bewegungen, der Berufsverbände, Institutionen der Europäischen Union. und.Kommunaler Spitzen Verbände ausgewählt(zum Verfähren Vgl. Machatzke 1995).

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Von der Grundgesamtheit der auf diese Weise ermittelten 3941 Elite-Mitglieder beteiligten sich 2341

Eesiionsinhaber an ser Befragung, Das entspricht einer GeSamtäusschopfüngsauote von 59,4 Prozent. Die Teilna Ib der einzelnen Sektoren fielen jedoch sehr unterschiedlich aus. Wie aus Abbildung 1 deutlich wird, haben sich die Führungskräfte im Sektor Militär(86,0%), der Wissenschaft(81,2%) und Verwaltung(73,4%) überdurchschnittlich stark an der Befragung beteiligt. Mit der niedrigsten Teilnahmequote fällt der Sektor Wirtschaft aus dem allgemeinen Rahmen: Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder von irtschaftsunternehmen nahmen mit weit unterdurchschnittlichen 38,2 Prozent an den Interviews teil. Die verbleibenden Sektoren variieren in der Nähe der Gesamtquote von knapp 60 Prozent.

' Es handelt sich dabei um das an der Universität Potsdam durchgeführte und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft(DFG) finanzierte ProjektElitenzirkulation und-integration im vereinten Deutschland. Primärforscher ist Wilhelm Bürklin.