Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1904) Nietzsche : mit einem Titelbilde / von P. J. Möbius
Entstehung
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1. Die Abstammung.

einer Gehirngeschwulst mit diesen Angaben am besten. Es ist bekannt, dass Verletzungen das Wachsthum der Geschwülste beschleunigen können. Es hat daher nichts Befremdendes, wenn ein seit längerer Zeit be­stehendes Gliom nach einem Sturze rascher wächst und in elf Monaten zum Tode führt. Wie Frau Dr. Förster mir sagte, hat der behandelnde Arzt zu­sammen mit einem Militärarzte die Section gemacht, und sie habeneine weiche Stelle im Gehirn gefunden. Näheres wusste sie nicht. Es könnte ganz gut ein weiches Gliom gewesen sein. Aber auch dann, wenn man die Diagnose Gehirngeschwulst nicht genügend begründet findet, wird man nicht bezweifeln können, dass eine grobe Herderkrankung des Gehirns bestan­den hat, also eine Krankheit, bei der eine Vererbung

unwahrscheinlich ist.

Wenn nun auch nicht anzunehmen ist, dass die Krankheit des Vaters für Nietzsche von Bedeutung ge­wesen sei, so war es doch natürlich seine ursprüng­liche Persönlichkeit. Der Pastor wird geschildert als ein geistig befähigter, moralisch ausgezeichneter Mann von heiterem Temperamente und mit starkem musika­lischen Talente. Wir dürfen wohl annehmen, dass Nietzsche von seinem Vater intellectuelle und mora­lische Vorzüge geerbt habe. Sicher hat er von ihm das musikalische Talent. Die Schwester sagt(Biogra­phie I, p. 73):Mein Bruder hatte von unserem lieben Vater die wundervolle Gabe des freien Phantasirens geerbt. Ferner verdankt er dem Vater den kräftigen Körper und die stattliche Statur(Mutter und Schwester