Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1904) Nietzsche : mit einem Titelbilde / von P. J. Möbius
Entstehung
Seite
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2. Die Persönlichkeit.

Individualitäten, 1901, p. 16):Selten habe ich Ver­gnügen an einer bildnerischen Darstellung; wohl aber habe ihm Dürers Bild: Ritter, Tod und Teufel, Freude gemacht, und es ist ersichtlich, dass ihn nur der Ge­dankeninhalt des Bildes angesprochen hat. In Italien bleibt er unbeeinflusst durch die Kunstwerke: Die ita­lienische Natur spielt in seinen Schriften eine Rolle, die Kunst nicht. Nietzsche schreibt an Rohde:Deine Beobachtung über das Anlernen künstlerischer Genuss­fähigkeiten ist mir sehr wichtig, ich komme neuerdings, so aus ‚heiler Haut darauf, in mir die Möglichkeit zu entdecken, Landschaften-Gemälde innerlich einzusaugen. Dargestellie, historische Bilder, der Mensch in seiner Bewegung bleibt mir ewig fern; ich bin sehr unplastisch. Aber so ein Landschaftsbild macht mich ruhig und erwartungsvoll(Briefe II p. 167, 3. Sept. 1869).

Am allerschwächsten war Nietzsche in der Mathe­matik. Er selbst sagt als Abiturient, er habe für Alles Interesse gehabt,wenn ich von der allzuverstandes­mässigen Wissenschaft, der mir allzulangweiligen Ma­thematik absehe. Das Abgangzeugniss drückt sich ziemlich mild aus:Da er der Mathematik nie recht gleichmässigen Fleiss zugewendet hat, so ist er in seinen schriftlichen wie mündlichen Leistungen immer mehr zurückgegangen, sodass sich dieselben nicht mehr als befriedigend bezeichnen lassen, und seine unge­nügenden Leistungen hierin nur durch die vorzüglichen Leistungen im Deutschen und Lateinischen ausgeglichen werden können. Derber sagt Deussen, Nietzsche habe in der Mathematik die 4 gehabt und habe gefürchtet,