2. Die Persönlichkeit.
steht die Philologie seinem Herzen nicht nahe: Er wird zu ihr geführt durch die Nöthigung der Schule, und er verlässt sie wieder ohne sonderliches Bedauern. Auffallend ist, dass er trotz seines langen Aufenthaltes in Italien nicht ordentlich italienisch gelernt hat. Auch das überrascht, dass er im Deutschen trotz seiner stilistischen Meisterschaft. grobe Fehler macht. Auf das Heft, in dem er(mit vollem Rechte) die liederliche Sprache von David Strauss unbarmherzig aburtheilt, schreibt er:„Unzeitgemässe Betrachtungen“, während er doch hätte wissen müssen, dass gemäss kein Eigenschaftwort ist. Auch später gebraucht er wie der erste beste Zeitungschreiber falsche Adjectiva, declinirt so und so oft Adverbien:„im ausnahmsweisen Sinne“, „Sein Seltenes, Ausnahmsweises“(Zarathustra und anderwärts). Sehr oft steht„sei“, wo„wäre“ stehen müsste. Er sagt„zahlreich“, wo es„viel“ heissen müsste, Er verschmäht Wendungen nicht wie„Dinge, in Bezug auf welche“. Er sagt(VI, p. 304):„die sich selber liebendste[Seele]“ statt: die sich am meisten liebende. Und anderes mehr. An die geschmacklosen oder unsinnigen neuen Worte werde ich später erinnern.
Ganz anders als die Philologie hatte die Philosophie Gewalt über Nietzsche. Schon der frühreife verschwiegene Knabe grübelte wahrscheinlich darüber, warum die Menschen so handeln, wie sie handeln, und welchen Zweck das ganze Treiben habe. Aus dem Anhänge zum ersten Bande der Biographie sehen wir, wie der Achtzehnjährige, wenn auch nicht glück