I. Der ursprüngliche Nietzsche.
lich, so doch mit heissem Bemühen, philosophische Themata bearbeitete. Wenn wir von einem philosophischen Triebe sprechen, so ist das ebenso uneigentlich geredet wie bei der herkömmlichen Bezeichnung mancher anderen Triebe. Wir wissen nicht, was eigentlich treibt; Thatsache ist nur, dass einzelne Menschen durch ihre Organisation von Jugend auf genöthigt sind, sich mit den Fragen zu beschäftigen, die herkömmlicherweise als philosophische bezeichnet werden. Stumpf und gleichgiltig gehen die Anderen vorüber, sie begreifen gar nicht, wie man sich über dergleichen den Kopf zerbrechen könne, die Wenigen aber, denen die philosophische Gabe zu"Theil geworden ist, müssen grübeln, wie der Seidenwurm spinnen muss. Man theilt die Philosophie in die theoretische und die praktische in dem Sinne, wie Kant von reiner und von practischer Vernunft sprach. Jener Hauptgegenstände sind Erkenntnisslehre und Metaphysik, diese betrachtet die menschlichen Handlungen, sucht, sie zu verstehen, nach ihrem Werthe abzuschätzen und daraufhin das Leben zu ordnen. Diese Eintheilung ist auch insofern von Bedeutung, als die natürliche Anlage in ihrem Sinne als getheilt erscheint, so dass oft der Eine mehr zu metaphysischen Untersuchungen geneigt und geeignet ist, der Andere zu moralistischen. Getrennt freilich können beide Seiten nicht werden, schon deshalb nicht, weil Handlungen und Glück oder Unglück der Menschen viel mehr von der Metaphysik abhängen als von irgend etwas anderem.‘Nietzsche nun war zweifellos ein natürlicher Philosoph mit vor