Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1904) Nietzsche : mit einem Titelbilde / von P. J. Möbius
Entstehung
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I. Der ursprüngliche Nietzsche.

Nietzsche ein wirklicher Philosophwar, das heisst einer, den die Natur, nicht irgend eine Behörde oder sonst etwas dazu gemacht hatte. Zu den Philosophen ersten Ranges freilich wird man ihn nicht rechnen können, schon deshalb nicht, weil er meist aus zweiter Hand philosophirt, das heisst die Meinungen Anderer bestreitet, statt sich direct an die Wirklichkeit zu wen­den. Es ist hier nicht der Ort, Nietzsches Philosophie genauer zu besprechen, aber auf Eins muss ich ein­gehen, weil ich glaube, dass es für den Menschen Nietzsche von grosser Bedeutung gewesen sei. Für uns alle hat das Philosophiren damit angefangen, dass wir uns von den Meinungen, die uns durch langjäh­rige Mühe in der Jugend beigebracht worden waren, befreien mussten. Nietzsche sagte sich in Bonn von den christlichen Anschauungen los, er begeisterte sich in Leipzig für Schopenhauer, ohne doch sein wirklicher Anhänger zu werden, und scheint im Jahre 1868 einen gewissen Abschluss dadurch erreicht zu haben, dass er sich die positivistische Anschauung aneignete, Er machte im Frühlinge des Jahres Studien zu einer Ab­handlung:Die Teleologie seit Kant, und die Schwe­ster meint, er habe die Anregung dazu aus Langes Geschichte des Materialismus geschöpft, einem Buche, das er sehr hoch geschätzt habe. Er schreibt zu Ostern 1868 an Deussen(Erinnerungen, p. 41):Wer aber den Gang der einschläglichen Untersuchungen, vornehmlich der physiologischen seit Kant, im Auge hat, der kann gar keinen Zweifel darüber haben, dass jene Grenzen(des Erkenntnissvermögens) so sicher