Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1904) Nietzsche : mit einem Titelbilde / von P. J. Möbius
Entstehung
Seite
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2. Die Persönlichkeit.

und unfehlbar ermittelt sind, dass ausser den Theologen und einigen Philosophieprofessoren und dem Vulgus niemand mehr sich Einbildungen macht. Das Reich der Metaphysik, somit die Provinz der ‚absoluten Wahrheit ist unweigerlich in eine Reihe mit Poesie und Religion gerückt worden. Wer etwas wissen will, begnügt sich jetzt mit einer bewussten Relativität des Wissens wie zum Beispiel alle namhaften Na­turforscher. Es scheint, dass es Nietzsche gegangen ist wie manchen Menschen, die gar nichts von Natur­wissenschaft verstehen: Sie haben einen mächtigen Respect vor den Aussprüchennamhafter Naturforscher und, während sie sonst überhaupt nichts glauben, glau­ben sie denVertretern der modernen Wissenschaft aufs Wort. Auch Nietzsche hat sich gebeugt und hat geschworen: es giebt keine Metaphysik. Auf diesem Standpunkte ist er dann stehen geblieben, nie macht er einen Versuch, seine Gründe darzulegen, es handelt sich für ihn um eine abgethane Sache. Positivist zu sein, sich mit der Naturwissenschaft zu begnügen, das vermag einer, der nichts ist als Zoolog oder Chemiker oder dergleichen; ein Mensch, dem dasmetaphysische Bedürfniss angeboren ist, wird unglücklich dabei. Im Anfange trugen Nietzsche die Jugendfrische, die Be­geisterung für Wagner und für die neue Cultur über die Oede weg. Als er aber an seinen Idealen irre ge­worden war und versuchte, der Wirklichkeit ins Ge­sicht zu sehen, da fand er sich in einer todten, sinn­losen Welt. Er verhärtete sich und schrie, so laut wie er konnte: Gott ist todt, alles ist Unsinn. Aber der