I. Der ursprüngliche Nietzsche.
durch crasse Aussprüche zu ärgern. In den letzten Jahren allerdings spielte dabei das Krankhafte stärker mit, doch davon ist erst später zu reden. Auch das, was manche Leute von Nietzsches sadistischen Neigungen erzählt haben, halte ich für ganz verfehlt: gelegentliche Phantasiesprünge, hinter denen nichts steckt.
Nietzsche hatte einen„festen Willen“, das heisst, er führte, was seine Vernunft beschlossen hatte, auch unter Schwierigkeiten durch. Schon der Knabe beherrschte sich in merkwürdiger Weise. Dies zeigt gut eine von der Schwester mitgetheilte Anekdote(Biographie I, p. 105). Es wurde über die Geschichte von Mucius Scaevola gesprochen, und der kleine Renommist Nietzsche ergriff eine Anzahl Zündhölzchen, brannte sie auf der flachen Hand an und streckte den Arm, ohne zu zucken, aus. Ein Oberer griff ein, aber es waren doch schon Brandwunden entstanden. In späterer Zeit zeigte sich zum Beispiele Nietzsches Energie daran, wie er trotz der schweren MigräneKrankheit seine Arbeiten durchführte, wie er Entbehrungen ertrug, die er für nothwendig hielt.
Auch besass er persönlichen Muth. Er trat in Bonn auf die Mensur(er wurde nach drei Minuten durch eine Tiefquart abgeführt), und beim Ausbruche des Krieges gegen Frankreich wollte er als Soldat seine Pflicht thun.
Zu Selbstbeherrschung und Muth trat ein grosser Stolz hinzu. Wenn der Knabe nicht lügen wollte, weil sich das für einen Grafen Ni&tzky nicht schicke, so giebt sich darin wenigstens das von vornherein vor