Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1904) Nietzsche : mit einem Titelbilde / von P. J. Möbius
Entstehung
Seite
51
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2. Die Persönlichkeit.

Es entspricht der streng auf das Geistige gerichte­ten Natur Nietzsches, dass er durchweg mässig ge­wesen ist. Als Student bekam er rasch einen Abscheu gegen das ekelhafte Biersaufen der deutschen Studen­ten, und später hat er fast abstinent gelebt. Zu seinem Ruhme sei hervorgehoben, dass er manches kräftige Wort gegen den Alkoholismus gefunden hat, und dass er in ihm klar eine Hauptursache der Entartung des Volkes erkannte. Auf das Vergnügen am Essen hat er nie grosses Gewicht gelegt. Doch war er geneigt, der richtigen Ernährung grossen Werth beizulegen. Ein Brief an von Gersdorff(Biographie II, p. 43) ent­hält eine lange Abhandlung über Vegetarianismus. Spä­ter war er durch seine krankhaften Zustände genöthigt, sich viel mit dem Magen zu beschäftigen. Die Schwester betont(Zukunft vom 9. Januar 1900), dass Nietzsche durch das Büchlein des alten Cornaro veranlasst wor­den sei, zu wenig zu essen und sich dadurch zu schä­digen. Es scheint, dass auch die Sparsamkeit dabei im Spiele war: Nietzsche fürchtete, nicht mit seinem Gelde auszukommen und entzog sich zuweilen gerade­zu das Nöthige, wie die Angaben über sein Leben in Genua, die nach Nietzsches eigenen Mittheilungen Fräu­lein von Salis-Marschlins macht(Philosoph und Edel­mensch, 1894, S. 76), darthun. Immerhin war Nietzsche, als er in die letzte Krankheit verfiel, ganz gut genährt. Er wog beim Eintritte in die Baseler Anstalt 165 Pfund. Deussen erwähnt, Nietzsche habe immer eine Vorliebe für Süssigkeiten gehabt, und noch im letzten Jahre rühmt Nietzsche die guten Conditoreien in Turin. Vielleicht