Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1904) Nietzsche : mit einem Titelbilde / von P. J. Möbius
Entstehung
Seite
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I. Der ursprüngliche Nietzsche.

hängt diese Neigung damit zusammen, dass er nicht nur nicht trank, sondern auch nicht rauchte. Blicken wir auf das in groben Zügen gezeichnete Bild des ursprünglichen Nietzsche zurück und fassen wir besonders das Abnorme ins Auge, so erscheint Nietzsche zunächst als ein im höchsten Grade begabter, aber einseitiger Mensch. Der Mangel an Harmonie, die ungleichmässige Entwickelung der einzelnen Fähig­keiten ist das Merkmal der grossen Talente und der Genies überhaupt; sie sind in diesem Sinne sammt und sonders pathologisch und Ergebnisse der Entartung. Es kommt auf die Gestaltung im Einzelnen und das Auftreten besonderer Charakterzüge an: davon hängt es ab, ob der hervorragende Mensch auch dem un­geschärften Auge den Eindruck des Krankhaften macht, und ob er vorwiegend nützlich oder vorwiegend schäd­lich ist. Nietzsche ist erstens ein durchaus theore­tischer Mensch, sein Wesen ist ganz auf Gefühl und Erkenntniss gerichtet, er ist schlecht ausgerüstet für das praktische Leben. Er hat wenig Sinn für die wich­tigsten Gemeinschaften, die Ehe und die Gemeinde, es fehlt ihm amHeerdensinne, und er ist nicht durch Zufall, sondern von Natur aus Einsiedler, Da es wahr­scheinlich auch an dem Erwerbsinne und dem, was dazu gehört, fehlte, so wäre es ihm in einer primitiven Gesellschaft, in der Professoren und Schriftsteller un­nütz sind, recht schlecht gegangen. Umgekehrt braucht man sich nur zu denken, dass eine ganze Gesellschaft aus solchen Leuten wie Nietzsche bestände, um ein­zusehen, dassdie Art nicht dabei bestehen könnte.