1. Die Migräne.
musste wegen„heftiger periodisch wiederkehrender Kopf- und Augenschmerzen“ einen Theil seiner Amtsarbeiten aufgeben. Im Frühjahre(Aufenthalt in BadenBaden) folgte Besserung. Das Erscheinen des„Menschlichen, Allzumenschlichen“ brachte zwar Erregungen mit sich, aber trotzdem verlief der Sommer, wie es scheint, ziemlich gut. Im Herbste bezog Nietzsche eine Wohnung weit draussen in der Vorstadt und lebte sehr vereinsamt.„Ich bin nicht gesund genug, um beständig mit all den heimlichen Gedanken, den unausgesprochenen Widerreden meiner Freunde kämpfen zu können.“ Offenbar verstimmte es ihn tief, dass die Anderen seine neue Denkweise nicht ohne weiteres annahmen, und insbesondere war ihm die Zerstörung des Verhältnisses zu Wagner schmerzlich. Die Anfälle dauerten fort und werden in den wenigen Briefen des Winters 1878—1879 wiederholt beklagt. Wieder war die Weihnachtzeit am schlechtesten. Die Schwester sagt(p. 320):„Es war ein jammervoller Winter.“„Die Osterferien ging Fritz nach Genf, ohne dort Erholung zu finden. Nach seiner Rückkehr kam eine furchtbare Krisis, Anfall über Anfall der heftigsten Kopf- und Augenschmerzen mit tagelangem Erbrechen, — es war vorüber mit all’ seiner Geduld, mit all’ seinem Lebensmuth! Ich erhielt eine erschütternde Aufforderung des Freundes Overbeck, sogleich nach Basel zu kommen. Als ich ankam, war ich furchtbar erschrocken, denn mein geliebter Bruder war kaum wieder zu erkennen, ein gebrochener, müder, gealterter Mann streckte mir mit tiefer Bewegung die Hand ent
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