2. Die Entwickelung der progressiven Paralyse.
nach in ihm die ersten Spuren beginnender geistiger Zerrüttung. Ein Bild wie das von dem jungen Hirten, dem die Schlange in den Schlund kriecht, wäre dem gesunden Nietzsche nicht aus der Feder gekommen.
Natürlich will das aber nicht sagen, dass alles nachher Kommende das Werk eines Verrückten oder Geisteskranken sei: das ist Nietzsche erst seit 1889, als solcher hat er nichts mehr geschrieben. Aber ein Ueberreiztes und Verzerrtes, ein Krasses und Grelles, ein Lautes und Schreiendes finden wir in zunehmender Stärke in diesen späteren Werken und davon zeigen sich die ersten Spuren schon im Zarathustra. Um so mehr, als dieser eine Dichtung ist. Hierin ist mir eine merkwürdige Parallele zu Hölderlin aufgefallen. Als bei diesem der Wahnsinn bereits ausgebrochen und seine Prosa schon recht dunkel und verworren war, gelang ihm noch etliche Zeit hindurch ein Lied, als ob sein Geist in den gewohnten dichterischen Geleisen sich sicherer und freier bewegt hätte, als in der ihm fremden Prosa. Gerade umgekehrt bei Nietzsche, der mehr Denker als Dichter gewesen ist: bei ihm zeigt die Phantasiethätigkeit die Spuren der Erkrankung früher und deutlicher als die ihm geläufige Arbeit des philosophischen Gedankens, und so ist es ganz natürlich, dass sich in demjenigen seiner Werke, an dem die dichterische Phantasie hervorragend betheiligt war, im Zarathustra das Anormale zuerst spürbar macht; und ebenso finde ich auch in den Gedichten aus jener Zeit ein seltsam Sprunghaftes, einzelne für Nietzsche
Möbius, Werke V,