Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1904) Nietzsche : mit einem Titelbilde / von P. J. Möbius
Entstehung
Seite
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Il. Die Krankheit.

teren Verlaufe der individuelle Charakter der Krankheit zu erkennen ist, so kann man annehmen, dass dieser auch im ersten Anfange vorhanden gewesen sei. Wir werden später sehen, dass bei Nietzsche die Para­lyse die intellectuellen Functionen im engeren Sinne des Wortes auffallend lange wenig störte, dass es sich durch lange Zeit hauptsächlich um gefälschte Gefühle handelte. Dies muss in der Meinung bestärken, die ersten Zeichen seien Gefühlsänderungen gewesen. Fragt man, welche Gefühle besonders zu prüfen seien, So ist, abgesehen von kleinen Taktlosigkeiten, zuerst auf das krankhafte Wohlgefühl, die Euphorie der Paralyti­schen hinzuweisen. Auf jeden Fall ist dieses leichter nachzuweisen, als die Abstumpfung der feinsten Gefühle. Es ist hier ähnlich wie bei der beginnenden Alkohol­vergiftung; die Heiterkeit, das Wohlgefühl des Trinken­den macht sich zuerst bemerklich. Wir werden also bei Nietzsche nach einem Ausbruche von Euphorie suchen. Und da werden wir zum Januar 1882 geführt. In demNachberichte zur fröhlichen Wissenschaft heisst es:Nietzsche begann die Arbeit an der ‚Fröh­lichen Wissenschaft, unmittelbar nachdem der Druck der Morgenröthe beendet war, in Sils-Maria, wo er im Juli und August 1881 Aufzeichnungen machte, aus denen das Werk herausgewachsen ist. Nachdem die Vorarbeiten von Oktober bis December in Genua fort­geführt waren, begann die endgültige Niederschrift daselbst im ‚schönsten aller Januare(1882) und wurde noch vor Ende Januar beendet, weshalb Nietzsche das ganze Buch das ‚Geschenk dieses einen Monats nennt.