Teil eines Werkes 
Bd. 5 (1904) Nietzsche : mit einem Titelbilde / von P. J. Möbius
Entstehung
Seite
108
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II. Die Krankheit.

viel gesagt, wenn man auch hier von einem rausch­ähnlichen Zustande spricht. Die Freunde Nietzsches werden sagen, das ist eben der furor poeticus; wenn man bedenkt, dass schon verdächtige Symptome vor­ausgegangen sind, und dass im Zarathustra selbst manches direct auf Gehirnkrankheit deutet, ja im vier­ten Theile auch für grobe Augen die progressive Pa­ralyse offenbar wird, so wird man die Annahme für wahrscheinlicher halten, der Zarathustra sei in Zustän­den paralytischer Erregung geschrieben).

Jedoch mit der Aussage, dass der Zarathustra das Werk eines Gehirnkranken sei, ist die Prüfung nicht überflüssig geworden. Weder ist damit behauptet, dass das Buch werthlos wäre, noch, dass alles Ab­norme in ihm auf die Paralyse zu beziehen wäre. Die Bekenntnisse Rousseaus sind zweifellos das Werk eines Geisteskranken und doch eines der werthvollsten Bücher. Ja, es könnte Einer die Meinung aufstellen, unter Umständen würden durch eine Gehirnkrankheit die Geisteskräfte gesteigert. Es sei denkbar, dass das krankhafte Feuer Leistungen hervorbringe, die ohnedem unmöglich wären, und ein solcher Fall liege in Nietz­

ı) Eine Art von Signal für die Erregung ist die Neigung zum Dichten. In demNachbericht zum VIII. Bande heisst es:Die Hauptzeiten seines Dichtens fallen in das Jahr 1882 und den Herbst 1884. Es ist erlaubt anzunehmen, dass die Sonnennähe[!] des Zarathustra auch andere poetische Keime geweckt habe... Die dichterische Stimmung hält den Sommer 1882 über an und bricht dann in der Pause zwischen dem dritten und vierten Theile des Zarathustra im Herbst 1884 wieder hervor. Poesie und Paralyse gehen hier Hand in Hand.