II. Die Krankheit.
kurzem zur Schlange, anders ausgedrückt: die Gedanken werden immer umgeschüttelt, und während man ein Kaleidoskop-Bild bespricht, ist schon ein anderes da. Ich will daher nur noch auf Einzelnes hinweisen. Man könnte ein ganzes Bändchen füllen, wenn man alle die Stellen ausschriebe, an denen Nietzsche über Krankheit und Gesundheit handelt. Immer nimmt er neue Anläufe, er sucht sich zu unterrichten(er hat z. B. F&r&’s Schriften gelesen), und sein kritischer Sinn führt ihn oft zu auffallend richtigen Urtheilen. So erkennt er die centrale Stellung der Lehre von der Entartung (er nennt sie Decadence) und kommt dahin, dass er gut nennt, was der Art förderlich ist, verwerflich, was die Entartung fördert. Jeder, der sich in Nietzsches Schriften umsieht, muss erkennen, wie er ernstlich nach einer ärztlichen Auffassung der menschlichen Dinge ringt trotz seines Ausganges von der Philologie, und wie er eben damit mehr Verständniss beweist als sehr viele Vertreter der„Geisteswissenschaften“. Mit sicherem Blicke sah er, dass die Gesundheit die Grundlage für Schönheit und für jede Tüchtigkeit ist, Er erkannte den Werth der Jugend als der Glanzzeit für Mensch und Volk, in der das eigentlich Werthvolle entsteht. Diese und andere richtige Gedanken beherrschen Nietzsche schon von 1880 etwa an. Leider verzerrte er sie selbst. Seine leidenschaftliche Sehnsucht nach Gesundheit und Stärke machte ihn ganz und gar einseitig. Wildheit und Uebermuth schienen ihm an sich erstrebenswerth zu sein. Schliesslich wollte er alles an dem Maass-Stabe des aufsteigenden und des ab