Ist es da ein Wunder, wenn unser braver Knieper auch in die Dichtung einging? Lyrisch und episch hat man ihn besungen, wie wir schon im Vorstehenden sahen, und ihn dadurch mit einem stillen Glorienschein umgeben. Aber auch die Kunst der dramatischen Gestaltung verklärte ihn. Er ging über die Bretter, die die Welt bedeuten! Manche prignitzer Dorfbühne spielte den Vierakter, den unser prignitzer Bauern- und Heimatdichter Karl Fürböter um den Knieperkohl schrieb. Wie geht es da köstlich her im Für und Wider der Meinungen über ihn. Es gab bisher kein „Wider“, bis der neue Doktor aus dem Thüringischen mit seinem andersartigen Magen und mit seinen Reformideen in die stille, an Traditionen aller Art gebundene Prignitz kam. Der bisherige alte Arzt war mit Land und Leuten und ihren Gepflogenheiten vertraut gewesen. Der Großknecht Heinrich meinte von ihm: „He was en kloken Dokter. He räd'te plattdütsch mit de Lüd un säd immer, wenn he up sien Geschäft to spräken kem: In Härwst un in Frühjohr geiht dat noch, öwer in Winter is nicks an die Bur’n to verdenen. Da schieten’s sick all in sur n Kohl gesund.“ Der neue aber aus Thüringen kannte das Nationalgericht nicht, und als er es kennenlernte, sagte er ihm einen harten Kampf an. Alles Übel käme von diesem verdammten Knieperkohl! Als Bur Jochen, der immer für gutes Essen, in seiner Behäbigkeit und starken Beleibtheit aber wenig für Bewegung war, ihn holen mußte, und ihm schilderte: „Un no dät Äten hew ick ümmer sön Upstöten un sön Druck vorn Mögen, grod so, as wenn ick mi upblost har“, da wetterte der hitzige Doktor los gegen den Knieper. Oll Jochen aber verteidigte ihn: „Wenn dät kenen sur’n Knieper gew, bruck dät mienet- wegen gor nich Winter wär’n“. Doch der Doktor blieb hart, verschrieb leichte Mehlsuppen und verbot strickte säuern Kohl und Pritzwalker Korn. „Wat? Mehlsuppen? Un kenen suern Knieper mehr? Un kenen Schluck nich? Dät öwerlew ick nich!“ Doch in all den Konflikten, die der Steffenshagener Bauerndichter in seinem Volksstück häuft, triumphiert letztlich doch der Surnknieper! Als am Schluß der junge Doktor gar vom Saulus zum Paulus wird, und als mit Hilfe des Kniepers und der Liebe zwei junge Menschenpaare sich für den Weg zum Traualtäre finden, da hat der Knieper auf der ganzen Linie gesiegt. Als man das Festmahl für das bevorstehende Doppelhochzeitsfest berät, da sagt unser trockener und lebenskluger Heinrich das Schlußwort. Mit diesem Wort mag auch unsere kleine Plauderei schließen, gewissermaßen als ein Kompliment, als eine Ehrung und zugleich auch als ein verpflichtendes Treuegelöbnis für unser kerniges, heimatliches Nationalgericht:
„Un mitten up den Brutdisch
kümmt en grot Schottel Surnknieper!“
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