Mit der immer weiter voranschreitenden Entwicklung der Technik und mit der Erfindung immer neuer Maschinen und Geräte mußte der Schöpfer dieser Dinge gleichzeitig auch Schöpfer der neuen Bezeichnungen dafür sein, und gerade unser technisches Jahrhundert schuf viele neue Wörter, wie zum Beispiel: Kunstseide, Zellwolle, Rundfunk, Gleichrichter, Sperrkreis, zum Großteil also Wörter, die aus zwei oder mehr alten Wörtern zusammengesetzt wurden. Alle diese Wörter sind bereits in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Ebenso verhält es sich mit vielen im Gefolge technischer Neuschöpfungen entstandenen neuen Wörtern, die zunächst nur der technischen Fachsprache angehörten, heute aber bereits in ^übertragener Bedeutung verwendet werden, wie etwa: Belastungsprobe, ^Entgleisung, Leerlauf, Kurzschluß, ausschalten, Spannung oder Entspannung. Das beweist, wie stark diese Einwirkungen auf unser Sprachleben sind.
Gleichzeitig damit entstanden neue Redensarten, die einen Teil der alten abzulösen beginnen, da sie ihre bildhaften Vergleiche aus unserer heutigen Vorstellungswelt nehmen. Sagte man früher „auf die lange Bank schieben“, so tritt daneben unser heutiges „auf das tote Gleis schieben“. Für „auf den Zahn fühlen“ verwenden wir jetzt „unter die Lupe nehmen“ oder für „das Pulver nicht erfunden haben“ den Vergleich mit der „langen Leitung“. Dazu treten Wendungen wie „Zeitlupentempo“, „am laufenden Band“ und viele andere mehr.
Aber die sprachlichen Neuschöpfungen beschränken sich nicht auf Dinge, sie greifen auch über auf unser Tun, wobei vielfach mit Hilfe alter Voroder Nachsilben neue Verben entstehen: entölen, verzuckern, bereifen, zerspanen, verschrotten, verschwelen, entseuchen usw.
Daß diese Methode der Neuschöpfung von Wörtern und Begriffen jedoch kkeine Erfindung unserer Zeit ist, beweisen alte Wortprägungen wie etwa: versohlen, versalzen, verpassen, verblenden und viele andere mehr, die heute meist in übertragenem Sinne gebraucht werden.
In der Hoffnung, mit diesem kleinen Streifzug durch die Wort- und Sprach- schöpfung des Handwerks ein klein wenig dazu beigetragen zu haben, die Kraft unserer deutschen Muttersprache zu erhalten und zu stärken, möchte ich schließen. Ob es mir allerdings gelungen ist, aus diesem schier unerschöpflichen Brunnen wirklich das heraufzuholen, was ich beabsichtigte,
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