Heft 
(1958) 6
Seite
188
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Schräder:

Schulze:

Schräder:

Fischer:

Schräder:

Fischer:

Schräder:

Fischer:

Schräder:

Fischer:

Schräder:

i

Fischer: Schräder:

(kommt eilig herein) Lieber Schulze, wie weit sind Sie?

Der Herr Wachtmeister ist leider nicht bereit, das beschlag­nahmte Geld zurück zu geben, aber er gibt Quittung über alles, was er genommen hat.

Ich bitte Sie, Wachtmeister, geben Sie dem Cervus die 1500 Taler zurück.

Ich habe Ordre, sie dem Major von Schill zu bringen.

Das ist nicht wahr, Sie haben uns nur eine Ordre für die Beschlagnahme der Waffen vorgelegt.

Der Kommandeur hat Ordre gegeben, alles zu nehmen, was französisch ist.

Ihr Soldaten habt immer einen hinter euch, der euch Ordres gibt. Was Sie hier exerzieren, das ist Faustrecht, nichts an­deres. Die Zeiten der Quitzows sind vorbei, meine ich.

Ich habe Ordre zu parieren, sonst nichts, ich bin Soldat.

(bitter) Ja, und der Exerzierplatz ist eure Welt, und der Kugelbaum an seinem Ende ist euch Richtpunkt, und was

der jüngste Leutnant sagt, ist Gesetz-und Vernunft

und Menschlichkeit werden im Paradeschritt niederge­trampelt.

(scharf) Sie reden wie ein Jacobiner, nicht wie ein preußi­scher Bürgermeister. In Berlin scharmuzieren sie auch um den Napoleon und seine Kreaturen herum. Ein Wunder, daß sie noch keine Guillotine aufgestellt haben im Lust­garten, um die Fürsten zu köpfen, wie die Franzosen es gemacht haben-damals.

Wir Preußen köpfen keinen König, und wir Kyritzer sind nicht die Pariser, aber das sage ich Ihnen, wenn der König sein Land wiedergewinnen will, dann rriuß es anders werden in Preußen. Daß er in Paretz ein idyllisches Fami­lienleben zu führen beliebte, war zwar moralischer als das, was andere Fürsten trieben, die vor Weiber geschieh ten das Regieren vergaßen, aber ein Wunder wars nicht, daß ihn ein Kerl wie der Korse bis nach Memel trieb. Wenn er dem sein Preußen wieder abringen will, dann sollte er auf­rechten und fähigen Männern, wie dem Reichsfreiherrn vom Stein nicht den Laufpaß geben.

Das will ich ihm einmal sagen: Die Zeiten sind vorbei, da ihr Unteroffiziers die Kerls mit der Fuchtel ins Feuer getrieben habt. Man soll dem Volke Rechte geben, dann wird es auch für seine Rechte kämpfen und für seine Frei­heit.

. . . und dazu braucht die preußische Armee auch die 1500 Taler von Mosje Cervus.

Mann, Fischer, begreifen Sie das doch. Sie sind doch Havel­berger, wie ich hörte, und ihre Männer sind aus Wuster­hausen und Lenzen und Babe und Teetz. Jetzt denkt doch mal als Prignitzer! Hättet ihr den Cervus irgendwo auf der

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