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Effektivität und Effizienz kriminalpolizeilicher Organisationsformen auf Zeit : mit weiteren Beiträgen von Erich Philipp und einer Arbeitsgemeinschaft an der Polizei-Führungsakademie (Münster) unter Leitung von Wolfgang Stein / Heinz Büchler ...
Entstehung
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1.3. Qualitative Untersuchung 1.3.1. Untersuchte Sonderkommissionen(Einzeldarstellung) 1.3.1.1. Kurzbeschreibung der untersuchten Sonderkommissionen

Vertikale Zusammenfassung der Ermittlungsgruppe Nr. 1(neue Bun­desländer)

Anlaß zur Installation dieser Ermittlungsgruppe war ein Tötungsdelikt. Die Soko setzte sich im Kern aus 15 Mitarbeitern zusammen. Schwankungen der Zahl der Mitarbeiter wegen Urlaubs bzw. Krankheit führten zu einer zeitweisen Stärke von 1/5. Entsprechend mußten zahlreiche Überstunden geleistet werden. Die Entscheidung, eine Soko zu gründen, wurde erst einige Tage nach Auffinden der Leiche gefällt. Trotz der dienststelleninternen Personalrekrutierung dauerte es nochmals einige Tage, bis alle Soko­Mitarbeiter zur Verfügung standen. Die Soko verstand sich als Team, eine spezielle Strukturierung der Soko erfolgte nicht. Kritisiert wurde daher erwar­tungsgemäß, daß eine eindeutige Aufgabenabgrenzung fehlte und Ein­satzpläne mit namentlicher Festlegung nicht vorhanden waren.

Die Sachmittelausstattung war mäßig bis schlecht. Gewünscht wurde eine übersichtlichere Aktenführung und die Gewähr einer ablauforganisatorisch kontinuierlichen Abarbeitung der Spuren.

Die Information und Kommunikation innerhalb der Soko erfolgte multilateral zweimal täglich in Besprechungen, wobei der Hauptsachbearbeiter eine zentrale Position einnahm.

Der Führungsstil wurde als kooperativ, aber doch aufgabenorientiert be­zeichnet. Er wurde von den Mitarbeitern eher negativ bewertet. Entsprechend schlecht war anfänglich die Arbeitszufriedenheit und die Motivation der Mitarbeiter, sie hat sich jedoch im Laufe der Zusammenarbeit etwas verbessert. Die Qualität der Führung wurde gerügt. Bemängelt wurde ferner, daß trotz guter Ausbildung derzeit eine selbständige, eigenverantwortliche Wahrnehmung der Arbeit nicht möglich war. Mitarbeiter dieser Soko wurden wegen deren besonderen Lage in den neuen Bundesländern auch vom Soko­Leiter mitbeurteilt. Die Mitarbeiter waren zum Zeitpunkt der Befragung noch Beamte auf Probe. Qualitative Mängel seitens der Mitarbeiter wurden vom Soko-Leiter als gravierend bezeichnet.