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Effektivität und Effizienz kriminalpolizeilicher Organisationsformen auf Zeit : mit weiteren Beiträgen von Erich Philipp und einer Arbeitsgemeinschaft an der Polizei-Führungsakademie (Münster) unter Leitung von Wolfgang Stein / Heinz Büchler ...
Entstehung
Seite
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Vertikale Zusammenfassung der Sonderkommission Nr. 9

Anlaß zur Bildung dieser Soko war ein Tötungsdelikt zum Nachteil eines Rentners. Die Soko umfaßte 28 feste Mitarbeiter und war insgesamt vier Wochen im Einsatz. Sie wurde sofort nach Auffinden der Leiche installiert. Der Täter konnte nicht ermittelt werden.

Die Besetzung der Schlüsselpositionen der Soko war im voraus bestimmt, so daß die Soko innerhalb kürzester Zeit ihre Tätigkeit aufnehmen konnte.

Trotz der relativ kurzen Arbeitsphase der Sonderkommission hat sich die Aufarbeitung der Akten noch sehr lange hingezogen. Die Organisation der Soko gestaltete sich folgendermaßen: Neben dem Leiter, dem ein Haupt­sachbearbeiter auch als Aktenführer zugeordnet war, wurden drei Ermitt­lungsabschnitte, nämlich Fahndung 1/4, Ermittlung 1/12 und Kriminaltechnik 1/9 gebildet.

Das Mengenaufkommen war mit mehr als 1.000 Überprüfungen und 375 durchzuführenden Vernehmungen als sehr hoch anzusehen. Der Informati­onsaustausch erfolgte multilateral im Rahmen von Besprechungen. Die Informationsverarbeitung erfolgte trotz des hohen Spurenaufkommens nur manuell, SPUDOK fand keine Akzeptanz.

Die Führung wurde von den Mitarbeitern als zufriedenstellend bewertet. Der Soko-Leiter bezeichnete sie als eher autoritär mit kooperativen Elementen versehen. Die Mitarbeiter beschrieben den Führungsstil eher als locker, aber bemängelten, daß hinsichtlich des Informationsaustausches Absprachen im einzelnen fehlten. Die Einschätzung des Soko-Leiters hinsichtlich seines Führungsstils(autoritär) wurde durch die Mitarbeiter durch Anmerkungen wie"fehlende Diskussionsbereitschaft über Sinn und Unsinn mancher An­ordnungen und Auslegung von Spuren durch Entscheidungen des Soko­Leiters" bestätigt.

Trotz autoritärer Führung wurde die Arbeitszufriedenheit und Motivation mit "sehr hoch" angegeben, auch an den Weihnachtsfeiertagen wurde gearbeitet. Die sachliche Ausstattung der Sonderkommission mit Telefon, Pkw und räumlichen Möglichkeiten war unzureichend. Insgesamt wurde die mangelhafte logistische Absicherung der Verwaltung bei Außeneinsätzen kritisiert. Die Zusammenarbeit mit dem Staatsanwalt war gut. Deutlich wurden die unterschiedlichen Phasen der Soko-Arbeit hervorgehoben. So wurde von einer anfänglich chaotischen und hektischen Phase gesprochen, die durch eine etwas ruhigere Phase des planenden und umsichtigen Vorge­