gewesen sei. Wie ein Symbol mutet es an: als Fontane sich um Ostern 1871 auf die Reise begab, die Schlachtfelder in Frankreich zu besichtigen, traf er in seinem Abteil auf einen fremden Mitreisenden; geriet mit ihm in ein Gespräch und war baß erstaunt, einen in allerlei Kunstfragen Wohlunterrichteten zu finden; — es sollte sich dieser selbe Fremde ! später einmal als der Mann erweisen, der nächst Fontane ! das Schicksal, das Deutschlands harrte, am klarsten voraus- ! sah, ja, Fontane darin weit hinter sich lassend, die Niederlage ! Deutschlands geradezu als ein Gebot innerer Notwendigkeit erkannte: Friedrich Theodor Bischer.
Doch bleibt zu erwägen: Fontane kannte England und englische Machtmittel sehr genau, und für Phrasen, wie sie deutsche Universitätsprofessoren vor und während des Krieges vorzubringen beliebten, wäre er niemals zu haben gewesen. Auch blickte er mit sehenden Augen auf Deutschland und gewahrte die innere Unsicherheit wie eine brüchige Ader im Organismus des Volkstums. Das alles könnte genügen, seine Voraussicht zu erklären. Es ist denn auch nicht sowohl das, was er sagt, als der befremdende Ton innerer Gewißheit, in dem er sein Wort spricht, der die Frage nach der seelischen Hellsichtigkeit aufsteigen ließ. Nur gibt es Fragen, die wohl gestellt, aber nicht beantwortet sein wollen.
War Fontane eine Natur, so war er mindestens im gleichen Maße Temperament. Das trat bei ihm immer — „Jnde- pendenz über alles!" — im Unabhängigkeitsdrange zutage, und der war stark. Es zeigte sich aber auch, und das ist für ihn bezeichnend, sehr viel deutlicher in seiner Kraft zu hassen, als in seiner Liebesempsindung.
Achtundvierzig Jahre waren seit seiner Hochzeit verstrichen, als Fontane sein autobiographisches Buch „Von Zwanzig bis Dreißig" schrieb. Er konnte es sich trotzdem nicht versagen, mit irgendeinem Unbekannten öffentlich abzurechnen, der sich — doch wahrlich eine private Angelegenheit! — damals geweigert hatte, sich an dem Hochzeits-
r Fontane-Buch
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