geschenk des „Tunnels" für das Fontanesche Ehepaar zu beteiligen. Nannte das selbst (und erinnert darin seltsam an Bismarck) „eine kleine Haßorgie feiern". Bei aller Freude an seinem Temperament wird man ihm darin schwer folgen können: Haß will gärend genossen sein; Haß, auf Flaschen gefüllt und achtundvierzig Jahre gekeltert, wirkt schal.
Und doch sind diese kleinen Züge bei Fontane sehr wichtig und darum liebenswert. Sie zeigen, wie schwer es diesem Temperament gemacht war, sich zur Persönlichkeit zu klären. Die aber gilt nur, wo sie aus innerem Kampf und Selbstsieg hervorgegangen ist.
Nennt man Theodor Fontane eine Natur, so ist alsbald hinzuzufügen, daß er eine unsinnliche Natur gewesen ist.
Auch dies ein Erbteil vom Vater her. Dessen Unzärtlichkeit hat der Sohn mehrfach betont, seiner Art gemäß, auch mit kleinen anekdotischen Zügen belegt. Und unzärtlich war er selber. Für den, der weiß, wie sehr sein Herz an seiner Frau gehangen, tritt das in den an sie gerichteten Briefen — auch des Jungverheirateten — befremdend zutage. Vom Vater sagt er in den „Kinderjahren", er habe sich, wie schöne Männer oft, als das absolute Gegenteil von einem Don Juan erwiesen, sei auch stolz aus seine Tugend gewesen; von sich bekennt er, die jungen Damen hätten ihm gegenüber herausgefühlt, daß Liebe seine Force nicht gewesen sei.
Dem war wohl wirklich so. In einem Brief des Iwei- unddreißigjährigen aus London liest man: „Ein Buchfink auf den Zweigen, eine kühlende Flußwelle, die sich beim Baden an unfern erhitzten Leib schmiegt, berühren uns fast ebenso wundersam traulich, wie ein brünetter Backfisch am Klavier oder der verstohlene Kuß einer liebebedürftigen, sehr herzensstarken, aber sehr — geistesschwachen Blondine. Wenn man dann, wie ich, erst Dreißig auf dem Rücken hat, so ist einem der Buchfink sogar lieber — er ist anspruchsloser und geniert einen weniger."