leidlich wiederhergestellt. — Die Wintermonate vergehen insoweit glücklich, als ich (zum erstenmal in meinem Leben) gesund und arbeitsfähig bleibe. Das Theater nimmt meine Zeit sehr wenig in Anspruch, was mit Ludwigs schwerer Krankheit zusammenhängt; es gibt keine Novitäten oder doch recht wenige: „Treu dem Herrn" von Richard Voß, ein unangenehmes Stück, und „Timandra" von Graf Schack, ein langweiliges Stück, tot, akademisch. — Meine Arbeit bis Ende März war Fortsetzung und Schluß meiner Novellenkorrektur (Cécile). Das Honorar wird mir zu meiner Freude prompt ausgezahlt. — Im April beginne ich die Korrektur meiner Novelle „Irrungen-Wirrungen". — Am 10. April stirbt der alte Herr v. Schierstädt auf Dahlen. — Mitte April machen wir die Bekanntschaft der Familie Hummel, Fabrikant in Mannheim, mit dessen einziger Tochter, einer mehrfachen Millionärin, sich Curt v. Heyden im Februar verlobt hat. — Um dieselbe Zeit gibt Menzel sein großes Dankdiner im Kaiserhof, etwa 80 Gäste, darunter der Minister von Goßler, die Räte des Kultusministeriums und die Pour le Märite-Ritter usw. Als letzter Ausläufer auch unsereins. — Im Februar treffen Richters aus Arnsdorf, im April Friedländers aus Schmiedeberg auf Besuch ein; Friedländers sind zweimal bei uns und erfreuen uns wie stets durch Geist und Güte. — Einmal sind wir zu Frau Geheimrätin Mohrdyk geladen, wo wir den Präsidenten von Tiedemann aus Bromberg kennen lernen, ein andermal zu Lessings, wo wir zu Stadtgerichtspräsident Bardeleben in freundliche Beziehung treten. — Die Korrespondenz ist nicht groß; auf drei an Lübke gerichtete Briefe erfolgt keine Antwort (also beleidigt); mit Francis Stahl, Verfasser von „Tilli", und Paul Heyse, der an einer Ruppiner Novelle arbeitet *), werden verschiedene Briefe gewechselt. — Meine Hauptlektüre ist Rankes Weltgeschichte, die mich an ihren
*) Roman der Stiftsdame ( 1886 ).
II Fontane-Buch
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