Halsleiden des Kronprinzen weckt überall die herzlichste Teilnahme. — Ich gehe am 7. Juli nach „Seebad Rüdersdorf", um dort einige Wochen zuzubringen.
Ich bleibe fast vier Wochen in „Seebad Rüdersdorf" und durchlebe daselbst sehr angenehme Tage, trotzdem der Wirt selbst, Herr oder Monsieur Charles Liesen, manches zu wünschen übrig läßt. Im ganzen aber alles sehr gelungen, weil der kostspielige Plunder in Wegfall kommt, der einem das Badeleben in den eigentlichen Badeplätzen verleidet. Ich machte Bekanntschaften in dem Städtchen Rüdersdorf; in „Seebad Rüdersdorf" selbst wohnten an die 20 Berliner- Vorstadt-Familien, und ich konnte richtiges Berlinertum gut studieren. Die Luft war sehr gut, so daß ich mich, all die Zeit über, sehr wohl fühlte. Ich schrieb dort einen langen Aufsatz über Quitzövel und die Quitzows (15 Kapitel) und einen etwas kürzeren über Schloß Plaue a. H. Mitunter empfing ich Besuch: Meta, Friedel, Martha-Lichterfelde, Zöllners, Dominik. George war zur Kur in Honiburg v. d. H.; die Kur half ihm aber nichts. — Im August war ich wieder in Berlin und setzte hier die obengenannten märkischen Arbeiten fort. Etwa am 17. reiste Martha nach Krummhübel, um eine Wohnung zu suchen; am 19. kam ich nach; sie hatte bei Frau Meergans gemietet. Hier blieben wir gute vier Wochen und machten zuletzt eine große Partie ins Gebirge hinein, bis nach Spindelmühl. Es war sehr schön; noch über Erwarten. Zehn oder zwölf Tage war Mama bei uns und freute sich mit uns an dem schönen Aufenthalt. Wir fanden auch die alten Freunde wieder: Richters in Arnsdorf, Friedländers in Schmiedeberg, und in Krummhübel selbst Kettes, Schwerins, Grävenitzens. Martha und ich blieben bis zum 19. September.
Am Abend des 19. trafen wir wieder in Berlin ein (Mama war bei Treutlers in Blasewitz) ohne die geringste Ahnung von dem, was uns bevorstand. Am 17. war George in Lichterfelde erkrankt und an demselben 19., wo wir heiter
168