berichte darüber in der Vossin. Im übrigen fahre ich in der Korrektur meines Romans „Unwiederbringlich" fort und habe beim Erscheinen der neuen (3.) Auflage meiner Gedichte viel Schreiberei. Zum Arbeiten komme ich wenig, da mein bevorstehender 70. Geburtstag, der gefeiert werden soll, mich ängstigt und bedrückt. Endlich am 30. ist der große Tag; Deputationen, Blumen, Gedichte, 400 Briefe und Telegramme. Alles verläuft glatt und glücklich und jedenfalls besser, als ich zu hoffen gewagt hatte.
1890.
Am 4. Januar gibt der Preßklub, der Rütli und die Vossische Zeitung mir ein großes Festessen im Englischen Hause. Sehr forsch. Spielhagen präsidiert. Minister Goßler zugegen; hält eine sehr gute Rede. Theo, mit Intendanturrats-Can- dillen, war von Münster herübergekommen und bleibt ein paar Tage. Um die Jahreswende bin ich ein „Held des Tages" und spuke selbst in einem Timestelegramm. Dann kommen ruhige langweilige Wochen, in denen ich die 400 Briefe zu beantworten habe. Im Februar oder März nehme ich die Korrektur von „Unwiederbringlich" wieder auf und schreibe lange essayartige Aufsätze über Wilhelm Gentz, Gentzrode und Mathilde von Rohr. Die beiden erstgenannten mache ich nun fertig. Mit meinem Befinden geht es gut, Emilie aber wird Ende Februar oder Anfang März krank und leidet ein Vierteljahr lang an der Gürtelrose. Martha hat das Haus zu führen. Im Juni machen wir Reisepläne; am 16. brechen Emilie und ich auf nach Kissingen, Martha geht nach Schwiggerow. In Leipzig unterbrechen wir unsere Fahrt und sind einen Tag bei Lazarus in Schönfeld. In Kissingen, wo wir viele Bekanntschaften machen, verbringen wir vier sehr angenehme Wochen; Mitte Juli sind wir in Berlin zurück. Ich korrigiere fleißig 14 Tage lang und arrangiere das Nötige zur Herausgabe von „Quitt
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