Druckschrift 
Das Fontane-Buch : Beiträge zu seiner Charakteristik ; Unveröffentlichtes aus seinem Nachlaß ; das Tagebuch aus seinen letzten Lebensjahren / hrsg. von Ernst Heilborn
Entstehung
Seite
183
Einzelbild herunterladen

gelernt. Meine Hauptarbeit von Februar bis April ist die Korrektur meines kleinen Romans:Frau Jenny Treidel", ich komme aber leider nicht ganz damit zustande, weil be­ständiger Blutandrang nach dem Kopf mich daran hindert; so beschließe ich, das Fertigmachen der Arbeit bis nach der Kissinger Reise zu verschieben. Ende März ist Martha auf einige Tage wieder bei uns und geht dann mit Veits nach Düsseldorf und Zansebur in Pommern. Im März und April sind auch Lübkes in Berlin, wenig zu ihrer Freude; das Wetter ist kalt und unfreundlich, Fräulein Sentis, Lübkes Schutzbefohlene, stirbt nach langer Krankheit (Schwindsucht) und Zöllner erkrankt auf den Tod und kriegt, als es besser wird, einen Schlaganfall. Seit einem Viertel­jahr ist er nun heut, am 2. Pfingsttage (18. Mai) krank und elend, und Genesung, bei der Kompliziertheit seines Leidens, beinah unmöglich. Anfang März stirbt Kommerzienrat Treutler auf einer italienischen Reise in Genua; bei seiner Ankunft daselbst trifft ihn, im Augenblick, wo er in den Hotel­omnibus steigen will, ein Herzschlag, und er sinkt tot in die Arme des Kondukteurs. So bringt man ihn ins Hotel, wo Frau und Tochter schon eingetroffen. Ende April war Emilie in Blasewitz, um die Freundin wiederzusehn; sie blieb eine Woche; Ende März trafen die Karlsruher Kinder hier ein und nehmen Wohnung in der Friedrich-Wilhelm­straße; Theo wurde als Hilfsarbeiter ins Kriegöministerium berufen. Bis jetzt gefällt es ihm nicht sonderlich, aber es wird schon kommen; das Schlimmste ist übcrstanden. Friede! trägt sich mit Veränderungsplänen in seinem Ge­schäft; Lewy wird wohl ausscheiden und eine andre Geld­kraft als Kompagnon eintreten. Ende April erfahre ich, daß ich denSchillerpreis" erhalten habe, was mich natür­lich sehr erfreut, vielleicht am meisten wegen der zooo Mark. Denn mit der Ehre ist es so; im Publikum sind einige (auch nicht viele), die's mir gönnen, unter den Kollegen eigentlich keiner; jeder betrachtet es als eine Auszeichnung,