Reise nach Bonn, die für Anfang des neuen Jahres geplanr ist. Am 23. November habe ich einen Unfall und ziehe mir eine Kopfwunde zu (Sturz vor Blüchers Palais), die mich die Festwoche in Binden und Bandagen verbringen läßt. Weihnacht und Silvester vergehen ruhig; wir schlafen ins neue Jahr hinein.
1891.
Iu Neujahr viel Schreiberei. Am 4. Januar reist Meta nach Bonn zu Veits. Am 11 . Aufführung auf der Freien Bühne: „Einsame Menschen" von Gerhart Hauptmann; sehr respektabel, aber es befriedigt mich künstlerisch doch weniger als seine vorausgegangenen Stücke. Besuch bei Herrn von Bredow-Landin im Hotel du Nord. Ich nehme meine Arbeiten über „Ländchen Friesack" ernsthaft wieder auf. Am 17. Frau von Wangenheims Geburtstag; am 19. Januar stirbt sie still, schmerzlos; am 22. Bestattung. So ist in einem halben Jahre die kleine Wangenheimsche Tafelrunde: die beiden alten Wangenheims, Elly v. W., Hofprediger Windel, Emilie und ich bis auf den halben Bestand weggestorben: im Juni starb Herr von Wangenheim 8z jährig, im September Hofprediger Windel erst 52 oder 53, jetzt Frau v. W., zwei Tage nach ihrem 77. Geburtstage. Dies sind schwere Verluste für uns, die unser gesellschaftliches Leben verändern. — Mitte des Monats treffen Wittes ein, er zum Reichstag, Frau und Tochter in Begleitung. — In der Deutschen Rundschau erscheint vom 1. Januar an mein Roman „Unwiederbringlich" und wird gut ausgenommen. Ich beginne verschiedene kleine Novellen, komme aber über Entwurf und Bruchstücke nicht hinaus. W. Hertz teilt mir mit, daß eine neue Auflage meiner Gedichte bis Weihnachten herzustellen sei, mir sehr angenehm. — Ich lese Leckys Geschichte Englands im 18. Jahrhundert, 4 Bände; anfangs befriedigt es mich wenig, schließlich finde ich es ausgezeichnet, trotz seiner Dispositionsmängel; ich habe viel daraus
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