Das ist nun freilich richtig, „vorm Richterstuhl der Ewigkeit" ist kein Unterschied zwischen Lindenberg und mir, jeder ist Sandkorn, aber mit dieser Ewigkeitselle darf man in der Zeitlichkeit nicht messen und die, die's tun, sind bloß Lodderleute, die zwölf Bücher (alle ungelesen) an einem Abend besprechen. —
Im Mai liefere ich auch meinen Roman „Effi Briest" an Rodenberg ab, der sich sehr freundlich darüber äußert; vom 1. Oktober an wird er in der „Rundschau" erscheinen. — Ich mache mich nun an die Korrektur eines kleineren Romans, den ich ziemlich gleichzeitig mit „Effi Briest" schrieb und der den Titel führt „Die Poggenpuhls"; Pantenius will ihn bringen, doch kennt er ihn noch nicht und die Sache bleibt vorläufig unsicher. — Im Juni reisen Martha und Friede! erst nach Elsenau, dann nach Deyelsdorf (zu des alten Veit 70. Geburtstag) und dann zu Tante Witte nach Wamemünde. Sie kehren sehr befriedigt von ihrem vierwöchigen Ausfluge zurück. — Am 18. April feierte Tante Jenny ihren 70. Geburtstag mit Aufführungen, in denen ihre Enkel das Leben der Großmutter darstellten. Es war sehr gelungen.—In einer ganzen Reihe von Sitzungen malt mich Professor Fechner, nachdem sein erstes Bild von mir (vor fast zwei Jahren gemalt) nicht recht genügend befunden worden ist. Er hat arme Dichter zu seiner Spezialität gemacht; mit Raabe fing er an, jetzt bin ich dran. — Am 3. August reist Martha nach Zansebur, zur Gräfin Wachtmeister; von dort will sie später nach Rostock.
Im August wieder auf vier Wochen nach Karlsbad; wir wohnen wieder in der „Silbernen Kanne" und verleben wieder angenehme Tage. Dabei verhältnismäßig viel Verkehr: Frau Gerber und Frl. Wilbrandt, vr. Sternfeld, St. Céres (Rosenthal) und Frau (Anna Lindau), Direktor Goldschmidt, Frau Professor Richter aus Jena.