1895 .
Den Winter über arbeite ich an dem zweiten Bande meiner „Erinnerungen", also Fortsetzung von „Meine Kinderjahre". Einzelne Kapitel dieser Erinnerungen werden im „Pan" gedruckt, so „In der Röseschen Apotheke", das „literar. Berlin 1840" (Faucher) und „Bei Kaiser Franz". Im Oktober 94. hat der Abdruck von „Effi Briest" in der Deutschen Rundschau begonnen und schließt März 95 ab. Erfolg gut. — Das alte gesellschaftliche Leben schläft mehr und mehr ein, alles ist tot oder krank oder — verkracht. Ein Glück, daß ein Nachwuchs sich einstellt, bei dem ich nicht schlechter fahre, — fast im Gegenteil. Denn die Alten waren zu alt geworden, und keiner war unter ihnen, der das Aeug gehabt hätte, die sehr nötigen Wandlungen milzumachen. Alleseingefroren.—JmSommerschreibeichallerleiGedichte, von denen die besseren teils 95, teils 96 im „Pan" erscheinen.
Ich habe hier nachzutragen, daß ich im November oder Dezember 94, kurz vor meinem 75. Geburtstage, seitens der philosophischen Fakultät der Berliner Universität zum Oocror bonoris causa ernannt wurde. Eine große Freude, die ich wohl Schlenther und Professor Erich Schmidt verdanke, welch letzterer die Fakultät mobil machte. Geheimrat von Richthofen (Dekan) und Erich Schmidt brachten mir das Diplom, und jener hielt die Ansprache.
Im Sommer (95) schickte ich die mittlerweile beendeten „Poggenpuhls" an Pantenius, — sie wurden abgelehnt, weil der Adel in dem Ganzen eine kleine Verspottung erblicken könne — Totaler Unsinn. Es ist eine Verherrlichung des Adels, der aber, so viel kann ich zugeben, klein und dumm genug empfindet, um das Schmeichelhafte darin nicht herauszufühlen. Gott besser's. Aber er wird sich die Mühe kaum geben. Unter Umständen „kämpfen Götter selbst vergebens". Die Poggenpuhls werden dann später, Winter 95 auf 96, in „Vom Fels zum Meer" gedruckt.
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