Im August gehen wir wieder nach Karlsbad in die „Sil- berne Kanne". Es ist wieder sehr schön; Emilie leidet aber unter den Personen, die wir antreffen, und kommt dadurch um die ganze Kur.
Im Herbst erscheint „Effi Briest" als Buch und bringt es in weniger als Jahresfrist zu 5 Auflagen, — der erste wirkliche Erfolg, den ich mit einem Romane habe.
1896.
Im Winter 95 auf 96 beende ich den zweiten Band meiner „Erinnerungen" und übergebe den „Tunnelabschnitt", der das Mittelstück und den Hauptinhalt des Bandes bildet, zum Abdruck an Rodenberg. Er nimmt es auch, schlägt aber wieder eine Volte und wie Gott den Schaden besieht, bringt er nicht das Ganze, sondern die Hälfte des etwa 8 Kapitel umfassenden Abschnitts. — Dies Verfahren und überhaupt seine gesamte, nur seinen Vorteil im Auge habende Haltung bestimmen mich, von ihm abzuspringen und mir andre Zeitschriften zu suchen. Ich beklage es sehr, mich dazu — beinah auch ehrenhalber — gezwungen zu sehen. Es hat sich so getroffen, daß er alles Beste, was ich geschrieben habe, in seiner „Deutschen Rundschau" veröffentlichen konnte und da er nach Kellers und Storms Tode eigentlich nur noch mich hatte, so mußte er mich danach behandeln und so entgegenkommend mit mir verfahren, wie er mit Keller verfahren ist; — das hat er aber nicht getan. Er war immer artig und verbindlich, aber ohne jede Rücksicht auf das Interesse des andern. Das wurde mir zuletzt zuviel. Gewiß hat ein Redakteur allem vorauf sein Blatt im Auge zu behalten und das zu tun, was dem Blatt dient; aber um seinem Blatte dienen zu können, muß er gelegentlich auch den Leuten dienen, die durch ihre Mitarbeit das Blatt recht eigentlich machen. Unterläßt er das und schafft er dadurch Unmut, so wenden ihm die Mitarbeiter den Rücken und die selbstsüchtige, sich überschlagende Klugheit wird ihm und seinem
IS Fontani-Buch
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