entsinne ich mich andrerseits deutlich eines Triumphes, den ich feierte, als ich meinen Zuhörern die Schlachten von Crecy und Poitiers ausmalte. 13 1/2 Jahre alt kam ich auf die hiesige Gewerbeschule, wo gar kein Geschichtsunterricht war, und ich mich aus diesem und hundert andern Gründen unglücklich fühlte. Meine Neigung blieb indes dieselbe. In meinem fünfzehnten Jahre schrieb ich mein erstes Gedicht, angeregt durch Chamissos „Salas y Gomez". Natürlich waren es auch Terzinen. Gegenstand: die Schlacht bei Hochkirch. Zwei Jahre später, als ich schon Apotheker war, leimte ich ein kleines Epos zusammen: Heinrich IV. Und das Jahr darauf schrieb ich meine erste Ballade, die ich vielleicht, ohne Erröten, noch jetzt als mein Machwerk ausgeben könnte. Die Ballade hieß „Vergeltung", behandelte in drei Abteilungen die Schuld, den Triumph und das Ende des Pizarro und wurde unter Gratulationen von dem betreffenden Redakteur in einem hiesigen Blatte gedruckt. In meinem zwanzigsten Jahre kam ich nach Leipzig, was mir damals gleichbedeutend war mit Himmel und Seligkeit. Es kam die Herweghzeit. Ich machte den Schwindel gründlich mit, und das Historische schlug ins Politische um. Dem vielgeschmähten Tunnel verdank' ich es, daß ich mich wiederfand und wieder den Gaul bestieg, auf den ich nun mal gehöre. Das Gedicht „Towerbrand" machte eine Art Sensation (ich schrieb es nach meiner ersten englischen Reise, noch voll von Londoner Eindrücken) und entschied gewissermaßen über meine Richtung. Was ich nach jener Zeit schrieb, liegt in den „Gedichten", in den „Männern und Helden", in der „Rosamunde" und in den neusten Argo- beiträgen zum größten Teil Ihrer Beurteilung vor. Meine Neigung und — wenn es erlaubt ist so zu sprechen — meine Force ist die Schilderung. Am Innerlichen mag es gelegentlich fehlen, das Äußerliche hab' ich in der Gewalt. Nur so wie ich die Geschichte als Basis habe, gebiet' ich über Kräfte, die mir sonst fremd sind, wie jener, dem auf heimatlicher
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