Meine Berechtigung zu meinem Metier ruht auf einem, was mir der Himmel mit in die Wiege gelegt hat: Feinfühligkeit künstlerischen Dingen gegenüber. An diese meine Eigenschaft hab' ich einen festen Glauben. Hätt' ich ihn nicht, so legte ich heute noch meine Feder als Kritiker nieder. Ich habe ein unbedingtes Vertrauen zu der Richtigkeit meines Empfindens. Es klingt das etwas stark, aber ich habe es und muß es darauf ankommen lassen, wie dies Bekenntnis wirkt. Meine Empfindung verwirft Uriel Acosta und ist umgekehrt nicht nur durch alles Shakespearische hingerissen, sondern sogar auch durch die „Räuber". Detailblödsinn schadet nichts, wenn nur das Ganze richtig gefühlt und ge- dacht ist. Dabei weiß ich mich völlig frei von Namenanbetung und Litcraturheroenkultus.
An die Richtigkeit meiner Empfindung glaub' ich; aber der Versuch, diese Empfindung hinterher zu erklären, wodurch erst eine Kritik entsteht, dieser Versuch mag unendlich oft mißlingen.
2. ;. 7Z. Briefe an Freunde I, zo 8 f.
Ich bilde mir nämlich ein, unter uns gesagt, ein Stilist zu sein, nicht einer von den unerträglichen Glattschreibern, die für alles nur einen Ton und eine Form haben, sondern ein wirklicher. Das heißt also ein Schriftsteller, der den Dingen nicht seinen altüberkommenen Marlitt- oder Gartenlaubenstil aufzwängt, sondern umgekehrt einer, der immer wechselnd seinen Stil aus der Sache nimmt, die er behandelt. Und so kommt es denn, daß ich Sätze schreibe, die vierzehn Zeilen lang sind, und dann wieder andre, die noch lange nicht vierzehn Silben, oft nur vierzehn Buchstaben aufweisen. Und so ist es auch mit den „Unds". Wollt' ich alles auf den Undstil stellen, so müßt' ich als gemeingefährlich eingespcrrt werden. Ich schreibe aber Mit-Und-Novellen und Ohne- Und-Novellen, immer in Anbequemung und Rücksicht auf den Stoff. Je moderner, desto Und-loser. Je schlichter, je
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