Meine Frau und ich, die wir in dieser wie in mancher andern Beziehung von einer gleichen Organisation sind, lachen über das Ganze und werden dermaleinst von diesen Blumentapeten ohne Herzschmerzen Abschied nehmen. Was ich mir in der Welt erobern möchte, das ist eine gesicherte Existenz und die Unabhängigkeit, die daraus fließt. Ob ich mich ihrer auf einem Brüsseler Teppich a 20 £ St. oder auf einer Diele mit Klaffritzen erfreue, ist mir in, wesentlichen gleichgültig. Ich bin kein Barbar, und ich ziehe das Feinere und Schönere vor, aber die Feinheit des Geistes und der Empfindung, jene echte Schönheit, die den Menschen und sein Tun adelt, wird mir stets weit über Spiegelscheiben und venetianische Blenden gehn, und ich werde gern wieder in die erste beste Berliner Mansardenwohnung einrücken, wenn mir dadurch die Gelegenheit gegeben wird, unabhängig und ohne Dürftigkeit unter den alten Freunden leben zu können. Daß die Zeit kommen wird, ist meine Freude und meine Zuversicht.
rz. 8. 57. Briefe an Freunde I, 176
Wie so vieles, ist auch das lediglich eine Geldfrage; Bleichröder gehört nach Treport oder Biarritz, ich gehöre nach Seebad Rüdersdorf. Und wenn ich es an solchem Platze nur nicht zu tief unter den märkisch-landesüblichen Ansprüchen finde, so bin ich zufrieden. Ich übe diese Sorte von Anspruchslosigkeit nicht aus Bescheidenheit, sondern aus künstlerischem Sinn, ganz so, wie unsre kleine Schneiderwohnung für unser Mobiliar und unfern ganzen Lebenszuschnitt das einzig Richtige ist.
io. 7. 87. Briefe an Familie II, IZI