nicht stimmt. Ich habe nichts dagegen, dies mich stark beherrschende Gefühl, das mich mehr als einmal von der meine Sympathie fordernden Seite auf die schlechtere Seite hinübergeschoben hat, als philiströs oder subaltern oder meinetwegen selbst als moralisches Manko gekennzeichnet zu sehen; es kommt mir nicht auf die Feststellung dessen an, was hier zu loben oder zu tadeln ist, sondern lediglich auf Aufklärung über einen bestimmten inneren Vorgang und demnächst darüber, ob sich solche Gefühlsvorgänge, sie seien nun richtig oder falsch, auch wohl sonst noch in einer auf freies Empfinden Anspruch machenden Seele vorfinden mögen. Aus: „Meine Kinderjahre"
7. Lebensstil
Sich angehören, ist der einzig begehrenswerte Lebens- luxus. Die moderne Menschheit ist so herunter, daß sie ein Plüschameublement vorzieht. Ich habe mit solchen Jammerprinzen nichts zu schaffen.
rr. 8. 76. Briefe an Freunde I, Z70
Erst unter natürlichen, wohlhabenden, sorglosen und freien Menschen fühlt man so recht, welch ein stellenweis erbärmliches Leben man in unfern großen Städten und unter unfern kleinen, dürftigen Sechserverhältnissen führt. Allerdings möcht' ich nicht tauschen. Unser geistiges Leben hat eine Süße, von dem ich unfähig wäre, mich zu entwöhnen, aber inmitten eines äußerlichen Behagens, das bei fünfunddreißig Talern monatlichen Gehalts schlecht zu kultivieren ist, wird einem wenigstens fühlbar, daß das Glück, das man genießt, nur ein halbes ist, ein schwererkauftes, dessen Einsatz oft höher ist als der Gewinn. Es ist wunderbar, in wie nahen Beziehungen Menschenglück und Putenbraten zueinander stehn, und welche Püffe das Herz verträgt, wenn man jeden Schlag mit einer Flasche Markobrunner parieren kann.
17. 4. 54. Briefe an Freunde I, 11z
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