mißachtet — von Moral spreche ich nicht gern — der hat einen Knar für's Leben weg. Ja, das wär' es ungefähr.
16. 7. 87. Briefe an Freunde II, izr
Das persönliche Sichhinopfern (und dann meist viel Tausende mit), das als letztes Refugium immer übrig bleibt, ist halb Nervensache, halb Komödie.
Aus: „Aus den Tagen der Okkupation"
Was wäre aus der Welt geworden, wenn es nicht zu allen Zeiten tapfere, herrliche Menschen gegeben hätte, die, mit Schiller zu sprechen, „in den Himmel greifen und ihre ewigen Rechte von den Sternen herunter holen." So hat denn alles Einsetzen von Gut und Blut, von Leib und Leben zunächst meine herzlichsten Sympathien, obenan die Kämpfe der Niederländer, neuerdings die Garibaldischen. Aber noch einmal, es läuft, mir selber verwunderlich, ein entgegengesetztes Gefühl daneben her, und solange die Revolutionskämpfe des sicheren Sieges entbehren, begleite ich all diese Auflehnungen nicht bloß mit Mißtrauen (zu welchem meist nur zu viel Grund vorhanden ist), sondern auch mit einer größeren oder geringeren, ich will nicht sagen in meinem Rechts-, aber doch in meinem Ordnungsgefühle begründeten Mißbilligung. Ein Zwergensieg gegen Riesen verwirrt mich und erscheint mir insoweit ungehörig, als er gegen den natürlichen Lauf der Dinge verstößt. Ich kann es nicht leiden, daß ein alter Schäfer eine Kur ausführt, die Dieffenbach oder Langenbeck nicht zustande bringen konnten. Jeder hat ein ihm zuständiges Maß, dem gemäß er siegen oder unterliegen muß, und in diesem Sinne blicke ich auch auf sich gegenüberstehende Streitkräfte. Ich verlange von 30000 Mann, daß sie mit 30000 Mann schnell fertig werden, und wenn die 300000 trotzdem siegen, so finde ich das zwar heldenmäßig, und wenn sie für Freiheit, Land und Glauben einstanden, außerdem auch noch höchst wünschenswert, kann aber doch über die Vorstellung nicht weg, daß es eigentlich
IS Fontane-Buch
32Z